Stühle satt
Der Vitra-Campus in Weil am Rhein hat ein neues architektonisches und inhaltliches Highlight, das Schaudepot. In dem Bau von Herzog & de Meuron sind mehr als 400 Objekte zu sehen. In der Hauptrolle: der Stuhl.
Der Vitra-Campus in Weil am Rhein ist eine Welt für sich. Mit dem expressiven Beton-Feuerwehrhaus von Zaha Hadid, dem ersten realisierten Bau der iranisch-britischen Architektin, fing 1993 alles an. Seitdem ist das Gelände des Unternehmens zu einer Art Pilgerstätte für Design- und Architekturfans avanciert. Der neueste Clou ist das Schaudepot von Herzog & de Meuron. Der Backsteinbau, der auf den ersten Blick nüchtern wirkt und seine Raffinesse erst offenbart, wenn man ihm näher kommt, umfasst eine Sammlung von über 400 Objekten. Das älteste Möbel ist ein englischer Windsor-Stuhl aus dem 18. Jahrhunderts, das jüngste Modell, der „Aluminium Gradient Chair“ von Joris Laarman, kam 2014 aus dem 3D-Drucker direkt in die umfangreiche Vitra-Sammlung.
Im Inneren des schon fast sakral wirkenden Gebäudes stehen rechts und links von einem Mittelgang dreistöckige Regale mit Glasböden. Zum Eingangsbereich sowie zum Gang hin sind die Regale mit einer durchschimmernden Folie versehen, ansonsten geben sie den Blick frei über Objekte, Zeiten, Materialien und Formen. Die Sammlung ist chronologisch präsentiert und bietet dem Besucher Basisinformationen auf kleinen Schildchen unten am Regal. Zusätzlich gibt es einen weiterführenden Online-Führer, der per WLAN abgerufen werden kann, ob per Smartphone oder mittels vor Ort ausleihbarer Geräte. Nummern, die auf den Kärtchen am Regalboden stehen, ermöglichen die Recherche in einer umfangreichen Online-Datenbank.
Die mehr als 400 Objekte sind allerdings nur ein Teil der Sammlung. Fast 30 Jahre nach der Gründung des Vitra Design Museums befinden sich in den Depots circa 7000 Möbel, etwa 1000 Leuchten und rund 20.000 Objekte. Das Schaudepot, das extra aus dem eigentlichen Firmengelände und dessen Umzäunung entlassen wurde, zeigt zusätzlich Nachlässe von Charles und Ray Eames – z.B. deren Arbeitszimmer –, von Verner Panton und Alexander Girard. Möbelbegeisterte können hier in eine ganz eigene Welt abtauchen – es lohnt sich!