Sebastian Herkner und Stefan Knopp im Gespräch

Im November haben wir in unserem Showroom in den Großen Bleichen eine Ausstellung mit ausgewählten Stücken von Freifrau und Janua eröffnet, die noch bis zum 14. Januar zu sehen ist. Im Rahmen der Veranstaltung waren Sebastian Herkner und Stefan Knopp zu Gast. Die Designer, die unter anderem für Freifrau und Janua tätig sind, haben dabei nicht nur ihre Philosophie erläutert, Stefan Knopp hat sogar vor Ort geköhlert. Uta Abendroth hatte an dem Abend Gelegenheit, mit beiden zu sprechen.

Sebastian Herkner und Stefan Knopp im Gespräch

Im Gespräch: Sebastian Herkner

Schöne Materialien sind für den Offenbacher Designer das Maß aller Dinge. In Kombination mit seinem Faible für Handwerk kreiert Sebastian Herkner Objekte mit ganz eigenem Charme. Für seinen Stuhl „Ona“, den ersten Entwurf für Freifrau, ließ er sich durch einen Keder inspirieren. Der elegante Polsterstuhl setzt sich aus einem Gestell aus hochwertigem Stahl oder Holz sowie einem zweischaligen Sitz zusammen, den es in verschiedenen Stoff- und Ledervarianten gibt.

 

Uta Abendroth: Sebastian Herkner, wie ist es zu Ihrer Zusammenarbeit mit Freifrau gekommen?

Sebastian Herkner: Ich bekam eine Anfrage von Freifrau und habe dann erst mal ein halbes Jahr überlegt, ob und was für einen Stuhl ich für das Label machen könnte. Ich wollte einen ehrlichen, direkten Entwurf. Am Prototyp habe ich dann erkannt, dass das erste Modell zu klein war, ich habe es überarbeitet. So ist einige Zeit vergangen…

 

UA: Der Stuhl „Ona“ wurde dann 2019 auf der imm in Köln präsentiert?

SH: Ja, in Köln fand die Premiere statt, in Mailand haben wir dann eine Variante, einen Barstuhl, gezeigt. Derzeit arbeiten wir an Ergänzungen, die 2020 und 2021 auf den Markt kommen und die Gruppe ergänzen sollen.

 

UA: Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Bedauern Sie, dass Sie zunächst gezögert haben?

SH: Nein, das gehört irgendwie dazu. Ich musste das Unternehmen erst mal verstehen und hinter die Kulissen schauen. Bei Freifrau handelt es sich um einen Familienbetrieb, der sich auf die Produktion von Stühlen spezialisiert hat und vor Ort in Lemgo produziert. Es geht um kurze Wege und damit auch um Nachhaltigkeit – alles wichtige Faktoren. Es ist schon mutig, in diesen Zeiten so ein Unternehmen aufzuziehen, Hansjörg Helweg hat die Marke ja erst 2012 gegründet.

 

UA: Der Stuhl hat sich sehr erfolgreich am Markt behauptet, oder?

SH: Ja, er wird viel bei Projekten eingesetzt, zum Beispiel einem Sternerestaurant in Holland und auch im Motel One in Frankfurt. 

 

UA: Was macht „Ona“ denn aus?

SH: Der Stuhl ist elegant und zierlich, es gibt viele feine Details. Ich mag es, wie der Stuhl ohne Armlehnen schwingt und mit dem Körper mitgeht. Es handelt sich um ein Zweischalen-System mit einer sehr handwerklichen Komponente, das gefällt mir ebenfalls. Sehr markant ist der umlaufende, aufgepumpte Keder der Kollektion, der das Einzigartige und Besondere des Entwurfs unterstreicht.

 

UA: Wie sieht es mit den Bezugsstoffen von „Ona“ aus?

SH: Da suchen wir für die Messe immer bestimmte Stoffe raus, aber Kunden können auch ihre eigenen Stoffe aufziehen lassen. Manchmal kommen dabei Sachen raus, die ich selber toll finde, weil sie zum Beispiel besonders dekorativ sind.

 

UA: Welche Rolle spielt das Handwerk für Sie?

SH: Das ist ganz entscheidend! Handwerk ist die Grundlage für gute Entwürfe. Tatsächlich schätze ich die direkte Zusammenarbeit mit Handwerkern sehr. Sie kennen sich aus, wissen, wie sie mein Design in ein Produkt umsetzen können. Ich habe auch ein Faible für echte, ehrliche Materialien wie Glas, Porzellan, Metall und Holz – sie altern einfach schön! 

 

UA: Wie beurteilen Sie als Designer die Rolle des Einzelhandels? 

SH: Der Einzelhandel ist die besondere Schnittstelle zwischen meiner Vision und meinem Entwurf und den Kunden. Die Möbelfachverkäufer haben die verantwortungsvolle Aufgabe die Geschichte des Designs zu transportieren und den Kunden den Wert der Objekte und die Handarbeit dahinter zu vermitteln.

 

 

Im Gespräch: Stefan Knopp

Stefan Knopp arbeitet am liebsten mit Holz, dem man seine Einzigartigkeit ansieht. Astlöcher und  Risse versteckt er nicht, sondern betont sie eher noch. Das unterstreicht den ebenso natürlichen wie einzigartigen Charakter, wie etwa bei den Tischen „SK 01 Monolith“ oder „SK 08 Butterfly“ und den Beistelltischen „SK 02 Cube“, die zur Kollektion von Janua gehören.

 

Uta Abendroth: Stefan Knopp, woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Möbel?

Stefan Knopp: Die Inspiration beginnt über das Material, meine Passion für Holz. Mir geht es darum, etwas Einzigartiges zu schaffen und da kommen Design, Leidenschaft und Handwerk zusammen.

 

UA: Ist das eine Reaktion auf unsere digitalen Zeiten?

SK: Ich glaube schon, dass wir alle eine Sehnsucht nach dem Echten haben. Gerade die Digitalisierung macht einem bewusst, wie wichtig Spüren und Begreifen sind. Daher versuche ich, etwas zu schaffen, was den Menschen Freude macht. Mit meinen Möbeln können sie etwas Sinnliches in ihr Zuhause integrieren, die Natur ins Haus holen.

 

UA: Sie sind gelernter Tischler?

SK: Ich habe in Wien in einer Tischlerei ausgeholfen, aber dort wurden eigentlich nur Spanplatten verarbeitet. Erst danach habe ich in der Steiermark eine Schreinerausbildung gemacht und gleich im Anschluss meine Gesellen- und Meisterprüfung abgeschlossen. Mit 25 Jahren habe ich mich dann selbstständig gemacht.

 

UA: Jeder Ihrer Tische ist ein Unikat – woher kommt die Faszination für individuelle Hölzer?

SK: Das ist eine Frage der Leidenschaft und der Nachhaltigkeit. Man muss sich vor Augen führen, dass ein Stamm einzigartig ist, über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte gewachsen. Er hat Fehler, Risse, Verletzungen… Mein Gesellenstück war ein Schrank aus Holz, das aufgrund seiner vielen Astlöcher als fehlerhaft bezeichnet wurde. Für mich geht es darum, die Geschichte des Baums in ein Stück zu integrieren, „Fehler“ gibt es für mich nicht.

 

UA: Für Ihre Janua-Tische verwenden Sie die Technik des Köhlens. Können Sie die erklären?

SK: Köhlen ist eine uralte Technik, die bereits in der Steinzeit verwendet wurde, um Speerspitzen zu härten. Das Feuer verbrennt die oberste Schicht des Holzes, die anschließend abgebürstet wird. Hervor kommt eine dunkle Schicht, die durch Öle einen besonderen Schwarzton bekommt. Das Braun des Holzes kommt wieder stärker hervor, je länger ich bürste. Durch das Köhlen betone ich bestimmte Charaktereigenschaften des Holzes.

 

UA: Welches ist das schönste Kompliment, dass Sie einmal für Ihre Arbeit bekommen haben?

SK: Das schönste Kompliment ist für mich die Freude und Berührtheit in den Augen von Kunden, wenn ich ihnen „ihren“ Tisch liefere. Jedes Mal aufs Neue.