Im Gespräch: Stefan Diez & Rolf Hay

Ein Systemmöbel, das nicht wie ein System aussieht: „New Order“ von Hay eignet sich fürs Büro ebenso wie für das Wohn- oder Kinderzimmer. Dass man sich mit dem Möbel wohlfühlt, das streben der Designer Stefan Diez und der Produzent Rolf Hay an.

Im Gespräch: Uta Abendroth mit Rolf Heys und Stefan Diez bei Gärtner (© Gärtner)

Uta Abendroth: Stefan Diez, was ist für Sie Ordnung?
Stefan Diez: Es gibt sehr viele Möglichkeiten irgendwo Ordnung zu schaffen oder Ordnung zu definieren. Man könnte sagen, Ordnung ist, wenn man etwas sucht und es wiederfindet, ohne das viel Zeit vergeht. Das ist für mich eine ganz pragmatische Vorstellung von Ordnung. Und das hat nichts mit der Art und Weise zu tun, wie Dinge letztlich nebeneinander stehen. Wenn Ordnung nur dann funktioniert, wenn man die Sachen durchnummeriert hat, dann verliert das jeglichen Charme und es wäre schade, wenn um einen herum alles in Schubladen, alles katalogisiert wäre. Die Lösung, wie man das hinbekommt, das ist die andere Frage…


Uta Abendroth: Und das Wiederfinden, das schafft man mit „New Order“?
Stefan Diez:
Ja, ich glaube, das kann helfen. Denn „New Order“ provoziert keine sturen Wiederholungen und kann relativ organisch wachsen. Das System funktioniert wie eine Stadt, in der man sich bestimmte landmarks merkt. Man orientiert sich sozusagen an Architektur und das unterstützt das ‘sich erinnern‘.


Uta Abendroth: Welche Inspiration liegt dem System zu Grunde, etwa ein bestimmtes Gebäude?
Stefan Diez: Inspiriert hat mich sicher eine Zeichnung von James Irvine, die er zu dem Thema ‘Citizen Office‘ gemacht hat. Das war ein Hinweis darauf, dass, wenn es um das Thema Ordnung geht, man vielleicht mal eine Stadt anschauen muss und nicht so sehr Möbel und Schubladeneinteilungen. Das hat uns auf die Fährte gebracht, Strukturen in der Architektur zu betrachten und zu verstehen, wie Schönheit in der Struktur entsteht – und der Ordnung. Wenn man weiter weg geht, die Architektur mit Abstand betrachtet, ergibt sich eben eine Ordnung und das ist der entscheidende Punkt dabei.


Uta Abendroth: Haben Sie das von Anfang an gleich so erkannt?
Stefan Diez:
Nein, denn 2012, als wir die Möbel erstmals auf der Orgatec gezeigt haben, waren das Solitäre. Erst zwei Jahre später, ebenfalls auf der Orgatec, haben wir mit dem System eine ganze Stadt gebaut.
Rolf Hay: Dazu möchte ich noch sagen, und davon bin ich überzeugt, dass das Projekt nur deshalb so gut geworden ist, weil Stefan und ich einerseits sehr ambitioniert und andererseits fast ein bisschen naiv an die Sache rangegangen sind. Wir wollten gerne ein seriöses System bauen, aber es sollte auch menschlich sein. Natürlich haben wir vom Büro gesprochen, aber gleichzeitig vom Wohnraum. In den letzten zehn Jahren hat sich die Möblierung dieser Lebensbereiche angenähert. Deshalb haben wir zum Beispiel Holz zum Aluminium kombiniert, so kommen die Regale nicht so technisch rüber.


Uta Abendroth: Was sind die besonderen Kennzeichen von „New Order“?
Stefan Diez
: Es gliedert, strukturiert Räume und schafft Zonen. Das System ist äußerst flexibel, es kommt ohne Schrauben aus und lässt sich ohne Werkzeuge aufbauen. Neben den Regalen gibt es Tische und Container, Trays und Akustikpaneele.


Uta Abendroth: Wie lange haben Sie an dem Produkt gearbeitet?
Rolf Hay:
Wir haben lange, rund vier Jahre, an diesem Projekt gearbeitet. Es war sehr kompliziert, aber wir waren nie an einem Punkt, wo es keine Lösung gab, sondern es ging immer weiter. In dieser Zeit ist eine starke Freundschaft zwischen Stefan und mir entstanden – und sogar zwischen unseren Mitarbeitern. Ich glaube, dass „New Order“ so gut geworden ist, hat auch etwas damit zu tun.


Uta Abendroth: Worin lagen die Herausforderungen?
Rolf Hay:
Zum Beispiel darin, dass es weltweit viele verschiedene Standards gibt, auf die wir uns einstellen mussten.
Stefan Diez: Ja, und gleichzeitig ist der Computer so eine Art Universalmaschine geworden, Standards werden ähnlicher. Das hat dazu geführt, dass sich heute die Arbeitsplätze von einem Architekten und einem Rechtsanwalt kaum mehr unterscheiden. Deshalb kann man manche Sachen auch einfach wegstreichen und vieles lässiger handhaben. Wir hatten zunächst kleine Büros im Kopf, als wir die Recherche gemacht haben. Erst auf der Orgatec, durch die Installation, haben wir erkannt, das es für „New Oder“ auch Potential im Großraumbüro gibt, weshalb wir Artikel ergänzen werden. Aber es ist doch so: Wir versuchen das Büro so wenig wie möglich nach Büro aussehen zu lassen. Und das nicht, weil wir das nicht schön finden, sondern unterm Strich verbringt man mehr Zeit im Büro als zu Hause und da möchte man sich wohlfühlen.

Mehr zu Stefan Diez erfahren Sie hier: www.stefan-diez.com. „New Order“ und weitere Hay-Möbel finden Sie in unserer Ausstellung.