Im Gespräch: Hoffmann Kahleyss Design

Birgit Hoffmann und Christoph Kahleyss gründeten 2012 ihr Büro Hoffmann Kahleyss Design in Hamburg. Sie befassen sich vor allem mit Möbeldesign und Innenarchitektur. Ihr funktionales Design ist nie kühl, sondern geprägt von weichen, organischen Formen. Das stellen sie unter anderem mit ihren Entwürfen für Freifrau und Janua unter Beweis.

Im Gespräch: Hoffmann Kahleyss Design

Uta Abendroth: Birgit Hoffmann und Christoph Kahleyss, Freifrau steht für Sitzmöbel, Janua für Möbel aus Massivholz. Beide Unternehmen setzen auf innovatives Design und Handwerk Made in Germany. Wie sind Sie da ins Spiel gekommen?

Birgit Hoffmann: Mit dem Geschäftsführer von Freifrau, Jörg Helweg, haben wir schon bei einem anderen Hersteller zusammengearbeitet. Bei der Gründung von Freifrau fragte er mich, ob ich die Artdirektion übernehmen wolle. Wir konnten die Firma Freifrau also von Anfang an mitgestalten und damit Einfluss auf das gesamte Erscheinungsbild und die Produktsprache nehmen. Einige unserer Entwürfe gehören inzwischen zu den Topsellern bei Freifrau. Früh setzte Jörg Helweg auf eine Kooperation mit der Firma Janua, um im Handel das gesamte Thema Dining bedienen zu können. So lernten wir Christian Seisenberger kennen, mit dem wir uns auch sehr gut verstehen, sozusagen auf einer Wellenlänge sind. Christian fragt uns oft nach Ideen zu neuen Produkten, mit denen er sein Sortiment erweitern will. So entstanden Sideboards, Regale, Beistelltische, Vitrinen und Tische.

 

UA: Worin liegen die größten Herausforderungen bei der Zusammenarbeit mit diesen noch recht jungen deutschen Firmen?

Christoph Kahleyss: Wir würden es gar nicht als Herausforderung bezeichnen, für diese Firmen zu arbeiten, weil wir eine sehr ähnliche Designauffassung haben und ein großes gegenseitiges Vertrauen besteht. Sowohl Jörg Helweg als auch Christian Seisenberger lassen uns machen, was wir für gut halten, und so entstehen in enger Absprache und Zusammenarbeit die neuen Produkte. Herausfordernd sind, wenn überhaupt, die Fertigungsprozesse, da man durch die regionale Fertigung sehr stark auf die Möglichkeiten der einzelnen Zulieferer eingehen muss, was manchmal eben auch den Entwurf selber beeinflusst.

 

UA: Birgit Hoffmann, Sie machen die Artdirektion für Freifrau. Das heißt, Sie nehmen großen Einfluss auf die Entwicklung der Marke, oder?

BH: Ja, das stimmt natürlich. Die Konzeption von Fotoshootings und die Messeauftritte, die von uns geplant werden, tragen sehr zum Erscheinungsbild von Freifrau bei. Auch die CI, die hier in Hamburg zusammen mit Deike Bokelman, die für PR zuständig ist, und den Grafikdesignerinnen Meike Winters und Anna Bertermann erarbeitet wird, ist ein wichtiger Baustein der Markenbildung. Und nicht zuletzt die Produkte, die wir in unserem Büro in enger Abstimmung mit Jörg Helweg entwickeln tragen stark zur Markenidentität bei.

 

UA: Ihre Entwürfe für Janua, etwa das Regalsystem „BC 06 RooM 68“ oder die Beistelltische „Stomp“ sind im Look sehr unterschiedlich. Wie entwickeln Sie Ihre Produkte?

CK: „BC 06“ und „Stomp“ sind gute Beispiele dafür, dass wir stark nach den Anforderungen gestalten, die unsere Auftraggeber uns geben. Dazu muss man die Firmen gut kennen und auch gut ausformulierte Briefings sind da sehr hilfreich. Bei „Stomp“ gibt die Baumscheibe das Design sehr stark vor. Hier war eher die Herausforderung, ein System für die Beine zu entwickeln, das an die verschiedenen Größen der Baumscheiben angepasst werden kann.

Bei „BC 06“ war es genau umgekehrt, hier gab es keine formalen Vorgaben, sondern die Funktionalität und der Einsatzbereich wurden definiert. Der Rahmen wurde durch die Materialien Massivholz und Aluminium vorgegeben. Das Resultat ist ein durchdachtes Regalsystem, das die gestellten Anforderungen erfüllt, dabei aber sehr elegant und eigenständig daherkommt.

 

UA: Wie würden Sie Ihre Design-Sprache beschreiben?

CK: Wir versuchen, unseren Entwürfen ein eigenes Gesicht, eine Eigenständigkeit zu geben. Außerdem sind wir immer auf der Suche nach einem schönen Detail, das unsere Entwürfe prägt. Das bedeutet, dass die Entwürfe nicht laut sind, sondern eher durch besondere Feinheiten überraschen. Lässigkeit und Eleganz ist uns wichtig und wir freuen uns, wenn wir mit unseren Entwürfen überraschen können.

 

UA: Wovon lassen Sie sich inspirieren?

BH: Das ist ganz von dem Produkt abhängig, an dem wir gerade arbeiten. Im Moment arbeiten wir z.B. an neuen Teppichentwürfen. In diesem Zusammenhang fand ich an einem Abend – auf dem Weg entlang der Elbkanäle in der Innenstadt –, die Spiegelung der Straßenlaternen im Wasser sehr inspirierend. Ansonsten sind es natürlich eher Reisen oder Besuche in Ausstellungen, die einen im Nachhinein inspirieren.

 

UA: Worin liegt das Geheimnis guten Designs?

CK: Für uns ist gutes Design ein schmaler Grad, auf dem man sich bewegt. Einerseits ist eine gute Funktionalität, bei Sitzmöbeln eine hohe Bequemlichkeit wichtig. Andererseits müssen Produkte begeistern und die Sinne der Menschen ansprechen, was oft über eine schöne Form, ein schönes Detail, schöne Farben und Oberflächen geschieht.

 

UA: Haben Sie Vorbilder?

CK: Iris van Herpen mit ihren experimentellen Entwürfen, die oft futuristisch anmuten und eine große Leichtigkeit ausstrahlen. Und natürlich Patricia Urquiola, die es immer wieder schafft, mit ihren Entwürfen zu überraschen.

 

UA: Wie lautet der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

BH: So etwas ähnliches wie: Allen zu gefallen, ist eh nicht möglich. Versuche Sachen zu machen, die auf jeden Fall dir selbst gefallen…

 

UA: Und was war die beste Entscheidung Ihrer beruflichen Laufbahn?

BH: Sich selbständig zu machen!

 

UA: Welche Rolle spielt der Einzelhandel für Sie als Designer und bei der Vermittlung von gutem Design?

CK: Durch das Feedback von befreundeten Händlern und Verkäufern erfahren wir, wie unsere Entwürfe bei den Endkunden ankommen, was für uns sehr wichtig ist, denn das sind ja die Menschen, für die wir unsere Produkte entwerfen. Der Handel ist ja die Schnittstelle zum Endverbraucher und ist daher in seiner Funktion als Berater sehr wichtig.  Er kann den Endkunden an die Hand nehmen, seine Wünsche und Vorlieben herausbekommen und durch sein Wissen und seine Erfahrung die passenden Möbel empfehlen. Durch die Auswahl der Kollektionen positioniert sich der Handel ja auch innerhalb des riesigen Angebotes an Möbeln und gibt den Endkunden somit einen Rahmen und eine Orientierungshilfe.