Im Gespräch: Florian Vogel

Florian Vogel, der 2012 das Label Victor Foxtrot in Hamburg-Bahrenfeld gründete, folgt bei seinen Entwürfen stets dem Leitsatz: Wenn ein Detail zum Wesentlichen wird, dann entsteht etwas Besonderes.

Florian Vogel, der 2012 das Label Victor Foxtrot in Hamburg-Bahrenfeld gründete, folgt bei seinen Entwürfen stets dem Leitsatz: Wenn ein Detail zum Wesentlichen wird, dann entsteht etwas Besonderes. Seine Möbel und Leuchten sind gekennzeichnet durch klare, schnörkellose Formen und handwerkliches Können.

Uta Abendroth: Erstmal: Was steckt hinter dem kuriosen Namen Ihrer Marke?

Florian Vogel: Vor vielen Jahren hat meine Frau mir Manschettenknöpfe mit meinen Initialen aus dem Flaggenalphabet geschenkt, F = Foxtrot und V = Victor. Ich habe schon immer mit dem Gedanken gespielt, mich irgendwann selbständig zu machen und dafür habe ich einen anderen Namen als meinen eigenen gesucht. Victor Foxtrot als Markenname fand ich direkt gut.

Uta Abendroth: Wann haben Sie Ihr eigenes Studio gegründet und was ist dem Schritt vorausgegangen?

Florian Vogel: Ich habe Victor Foxtrot 2012 gegründet. Der Zeitpunkt war eher zufällig. Aus familiären Gründen sind wir von München zurück nach Hamburg gezogen. In München habe ich acht Jahre im Designteam von Ingo Maurer gearbeitet und wäre dort bestimmt auch noch einige Zeit geblieben, wenn wir nicht zurück in den Norden gegangen wären. Aber ich wollte ja grundsätzlich etwas Eigenes aufbauen und der Umzug war dann der richtige Moment dafür.

Uta Abendroth: Ist Hamburg ein guter Standort für einen Designer?

Florian Vogel: Für mich hat sich Hamburg als sehr guter Standort herausgestellt. Ich habe über die Jahre ein verlässliches Netzwerk an Partnern aufgebaut, mit denen ich schnell und unkompliziert Hand in Hand arbeiten kann. Wir alle haben das gleiche Qualitätsverständnis und sind an einer nachhaltigen Arbeitsweise interessiert. Ein Großteil der Herstellung wird hier vor Ort in unserer Werkstatt umgesetzt und nur bestimmte Teilschritte von spezialisierten Handwerksbetrieben in Hamburg und Umgebung realisiert. Die Zusammenarbeit mit lokalen Zulieferern wie z.B. Tischlern, Polsterern oder Pulverbeschichtern und die In-House Produktion machen es möglich, dass Kleinserien sowie Maß- und Sonderanfertigungen zeitnah und in herausragender Qualität hergestellt werden können. Außerdem habe ich das Gefühl, dass unsere Hamburger Kunden schon einen gewissen Lokalpatriotismus haben und es gut finden, dass unsere Produkte ‚Made in Hamburg‘ sind. Manchmal würde ich mir noch mehr Austausch wünschen zwischen Architekten, anderen Designern und Produzenten, mehr lockere Treffen innerhalb der Branche.

Uta Abendroth: Wir würden Sie Ihre Entwürfe beschreiben?

Florian Vogel: Die Formsprache der Möbel und Leuchten ist zeitlos, geradlinig, fokussiert und funktionsbetont. Das Herzstück von Victor Foxtrot ist die Werkstatt, die nur durch eine Tür von Studio und Showroom getrennt ist. Diese Nähe zwischen Entwurf und Manufaktur ist entscheidend für den Design- und Entwicklungsprozess. Meine Herangehensweise bei der Produktentwicklung ist handwerklich, das hat mit industriellen Serienprodukten nichts zu tun. Der erste Entwurf kann ganz schnell entstehen. Aber bis ein Design bzw. Produkt soweit ist, dass es nicht nur ein Einzelstück bleibt, sondern dass man jeden handwerklichen Schritt wiederholbar macht und es als Kleinserie fertigen kann, das kann sehr lange dauern.

Uta Abendroth: Was ist für Sie gutes Design?

Florian Vogel: Gutes Produktdesign ist für mich, wenn das Objekt neben seinem Aussehen auch eine Funktion erfüllt. So ist eine Leuchte nicht nur eine schöne Hülle für das Licht, sondern sie bestimmt die Qualität sowie die Farbe des Lichtes und damit die Atmosphäre eines Raumes. Ich denke, dass sich gutes Design, das über die Jahre zu einem Klassiker geworden ist, eigentlich immer dadurch ausgezeichnet hat, dass es in der Formsprache reduziert, der Funktion untergeordnet ist und einen gewissen Mehrwert im Alltag der Nutzer schafft. Außerdem sollte im Design- und Produktionsprozess die Langlebigkeit der Materialien und ein verantwortungsvoller Umgang mit natürlichen Ressourcen eine Rolle spielen.

Uta Abendroth: Welche Produkteigenschaften sind für Sie entscheidend?

Florian Vogel: Grundsätzlich steht bei allen meinen Entwürfen die Benutzbarkeit im Vordergrund. Es geht mir nicht darum eine Technik zu verstecken, sondern, eher im Gegenteil, sie vielleicht auch als Detail herauszuheben. Die Produkte entstehen nicht selten aus Zufällen oder aus dem Material heraus. Materialien, die über die Jahre mit ihrer Patina eine eigene Geschichte erzählen. Für mich hat sich oft bewahrheitet, dass etwas Besonderes entsteht, wenn ein bestimmtes Detail ein Produkt verändert oder prägt.

Uta Abendroth: Welches ist Ihr liebstes Objekt und warum?

Florian Vogel: Das Fahrrad. Eine geniale Erfindung – funktional, leicht, umweltfreundlich und es hat uns wirklich beweglicher gemacht.

Fotos: Anne Deppe, Set Design Boris Zbikowski