Im Gespräch: Stefan Diez zum Thema Nachhaltigkeit

Der Münchner Stefan Diez gehört zu den profiliertesten Designern Deutschlands. Basierend auf der Arbeitsweise seines Studios und der Verantwortung der Kreativen, hat er zehn Thesen zum Design im Kontext der Kreislaufwirtschaft formuliert. Ein aktueller Entwurf, der dazu passt, ist sein Sofa „Costume“ für Magis.

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©HAY

GÄRTNER: Die letzten Monate waren auch für Designer eine echte Herausforderung, Messen und Ausstellungen fielen aus, Lieferketten wurden unterbrochen.

Wie haben Sie die Zeit erlebt?

STEFAN DIEZ: Uns ist es eigentlich sehr gut gegangen, wir hatten viel zu tun. Wir haben die Zeit aber auch genutzt, um das Studio umzuorganisieren, neue Mitarbeiter einzustellen, Projekte zu überarbeiten und zu finalisieren. Aber natürlich ist es jetzt an der Zeit, dass einige Entwürfe endlich rauskommen, sie gesehen werden und wir sie damit auch mal abschließen können. Sonst bekommt man sie nicht richtig aus dem Kopf.

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Diez Office ©Christian Schaulin

GÄRTNER: Sie haben sich darüber hinaus mit dem Thema Kreislaufwirtschaft befasst und dazu zehn Thesen formuliert. Was war der Auslöser?

STEFAN DIEZ: Nachhaltigkeit ist im Design schon länger ein Thema, aber Recycling funktioniert oft nicht, weil Materialien so verbaut sind, dass man sie nicht so einfach wieder trennen kann. Die heutigen Produktions- und Konsumgewohnheiten folgen meist einer linearen Logik: Gewinnung, Produktion, Konsum und Entsorgung. Auf diese Weise verlieren Güter nach nur einem Nutzungszyklus deutlich mehr als 90 Prozent ihres Rohstoffwertes. Bei der Kreislaufwirtschaft geht es um die Minimierung negativer Umweltauswirkungen durch die Schließung und Verlangsamung von Stoffkreisläufen.

 

GÄRTNER: Zu Ihren Thesen gehören unter anderem: „Ein gutes Produkt bleibt lange nützlich“ und „Ein gutes Produkt ist reparierbar“ sowie „Verwende Materialien, die einem Materialkreislauf entstammen oder die nachwachsen“. Wie kamen Sie dazu, diese so zu formulieren?

STEFAN DIEZ: Die Arbeit mit Studenten an der Universität für angewandte Künste in Wien spielte dabei eine wichtige Rolle, aber ich würde sagen, dass wir seit rund zehn Jahren schon nach diesen Leitlinien im Studio arbeiten. Es war wohl an der Zeit, diese Erfahrungen auszuformulieren. Und die Thesen schlagen eine Brücke zu Dieter Rams, der in den Siebzigerjahren seine „10 Thesen für gutes Design“ aufgestellt hat. Sie entstanden in einem ganz anderen Kontext – wir können heute als Designer noch viel weiter gehen, denn wir stehen mit praktisch allen an der Produktion beteiligten Personen in Kontakt: Im Dialog mit Verlegern, Projektmanagern, Produzenten, Vertrieb und Marketing nehmen wir Einfluss darauf, wie Produkte konzipiert, wie, wo und womit sie produziert werden. 

 

GÄRTNER: Das Sofa „Costume“, das Sie für Magis entworfen haben, bestätigt, dass man im Sinne Ihrer Thesen entwerfen kann.

STEFAN DIEZ: Ja, alle Einzelteile von „Costume“ lassen sich voneinander trennen, der hohle Kunststoffkörper ist aus einem Recyclingmaterial und der abziehbare Bezug soll bald auch in einer kompostierbaren Version erhältlich sein. Tatsächlich sind circa 3000 Arbeitsstunden in den Entwurf geflossen und es hat Jahre gedauert, bis wir mit diesem Projekt soweit waren. Aber ich bin davon überzeugt, dass es mehr und mehr Hersteller geben wird, die bereit sind, in diese Form der Produktentwicklung und -herstellung zu investieren.

Das Interview führte Uta Abendroth für uns.

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Sofa-System Costume ©Magis

Magis Costume

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