Im Gespräch: Markus Benz

Markus Benz ist seit 1993 CEO von Walter Knoll. Für den Juristen zählen Tradition, handwerkliche Werte und langfristige Beziehungen. Das gilt für die Zusammenarbeit mit Designern ebenso wie für die Kooperation mit gärtner, wo derzeit noch eine Ausstellung mit Walter Knoll-Möbeln zu sehen ist.

Im Gespräch: Markus Benz

Uta Abendroth: Herr Benz, die Ursprünge von Walter Knoll reichen bis in das Jahr 1865 zurück, als Wilhelm Knoll sein Ledergeschäft in Stuttgart gründete. Sie sind seit 1993 „an Bord“. Was für ein Unternehmen haben Sie vorgefunden und wie hat es sich seitdem entwickelt?


Markus Benz: Meiner Meinung nach muss man erstmal das Unternehmen und seine Vergangenheit verstehen, dann in die Gegenwart bringen und schließlich nach vorne denken. Ich bin Jurist, deswegen liegt mir vielleicht einiges an dieser Sachverhaltsermittlung. Was man verstehen muss ist, dass es gerade bei so einer Traditionsmarke wie Walter Knoll viele Menschen gibt, die eine Sicht auf das Unternehmen haben, die oft über viele Jahrzehnte gewachsen ist. Deswegen kann man nicht einfach beginnen irgendetwas zu tun, man muss sich in der Tat erstmal damit befassen, was man in den Händen hält und mir war sofort klar, die Knolls waren Teil der internationalen Möbelgeschichte. Sie haben viel für das moderne Möbel getan und sie waren immer, wenn es besondere architektonische Gebäude oder Ikonen gab, mit ihren Möbeln und Entwicklungen dabei.


Uta Abendroth: Hat das Ihre Herangehensweise geprägt?

Markus Benz: Ja, dieses Credo habe ich bei der Zusammenarbeit mit Architekten und Designern von Anfang an versucht zu beherzigen. Gleichzeitig habe ich Ausschau gehalten nach dem, was kommen könnte. Außerdem galt es damals neben dem Design den wirtschaftlichen Aspekt zu beachten. Walter Knoll war – im besten Sinne – ein Handwerksbetrieb. Man hat viele Dinge mit handwerklicher Präzision gemacht, aber die Abläufe, die Wirtschaftlichkeit, die waren damals nicht mehr ganz zeitgemäß. Wir mussten eine neue Struktur finden, Partner und Zulieferer, um das Unternehmen nach vorne zu entwickeln. Beide Dinge liefen dann 1997 zusammen, als wir von dem damals noch sehr jungen Designteam EOOS die Linie „Jason“ auf den Markt brachten. Ich war dabei, das Unternehmen Stück für Stück weiter zu entwickeln, und gleichzeitig suchte ich nach jungen Designern, die die Zukunft von Walter Knoll bestimmen. Wenn man sich das heute anschaut, ist EOOS eine tragende Säule der Marke und hat die Erfolgsgeschichte in den letzten 20 Jahren entscheidend mitgeschrieben.


Uta Abendroth: Die EOOS-Designer waren damals in der Meisterklasse von Paolo Piva an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. Wie sind Sie zusammengekommen?

Markus Benz: Sie suchten nach einem Hersteller für einen Entwurf und sind zu Paolo Piva gegangen, der hat sie zu mir geschickt. Sie zeigten mir ein Sofa, das war das „Jason“-Funktionssofa. Bis heute ist „Jason“ die erfolgreichste Serie der Kollektion, ähnlich erfolgreich sind nur die Produkte von Norman Foster.


Uta Abendroth: Ist es eher ungewöhnlich, dass junge Designer bei Ihnen „landen“ können?

Markus Benz: Dass Designer sich für Walter Knoll interessieren, ist ein fast tägliches Phänomen. Aber wir müssen uns fragen, wer passt zu uns, mit wem kann ich arbeiten? Da ist mir eine gewisse Werteordnung und Ästhetik wichtig. Ich sage immer, wenn wir auf einem Klavier spielen wollen, brauchen wir ein perfekt gestimmtes und nicht eines, das um ein oder zwei Oktaven verrückt ist. Mir sind langfristige Beziehungen wichtig. Auch mit Norman Foster arbeiten wir jetzt schon 20 Jahre zusammen. So eine Art von Beziehung kann man nicht mit unendlich vielen aufbauen. Das heißt, jeder neue Designer muss etwas mitbringen, eine gewisse Kreativität oder eine Form von Kooperation, bei der sich die Leistungen, die Werte und die Marke verbinden, über die Zeit vertiefen und intensivieren können.


Uta Abendroth: Werte und Tradition spielen für Sie eine große Rolle?

Markus Benz: Werte zu erhalten, das ist auf jeden Fall ein Stück Tradition. Ein Unternehmen muss dennoch voran gehen und immer inspirierende Ansätze bieten. Ansonsten verschwinden die Unternehmen vom Markt. Aber die Tradition ist die Basis, auf der man vorangeht. Wir reden heute viel über Nachhaltigkeit. Wir sind ein Traditionsunternehmen, das schon immer darauf geachtet hat, dass es wirtschaftet und sinnvolle Dinge tut, das dem eigenen Anspruch gerecht wird und Qualität umsetzt. Wie sich die Moderne entwickelt hat, wie Walter Gropius dem Handwerk neue Bedeutung zugemessen hat – genau diese Tradition ist die Basis von Walter Knoll.


Uta Abendroth: gärtner feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag, Was verbindet Walter Knoll und das Einrichtungshaus?

Markus Benz: Für Marken ist es ungeheuer wichtig, in der Stadt präsent zu sein, denn 60 Prozent des weltweiten Wachstums finden in rund 200 Städten statt. Menschen erreicht man genau dort, aber es ist heute gar nicht mehr selbstverständlich, dass man in der Innenstadt Handelshäuser wie gärtner findet, die so breit aufgestellt sind. Das ist etwas sehr Besonderes und zeigt die Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Vor ein paar Jahren haben wir das Konzept der Markenpräsentation entwickelt. Ein Teil davon sieht vor, dass wir die Marke für eine gewisse Zeit mal ganz intensiv darstellen. Dieses Erlebnis, Walter Knoll kompakt bei gärtner, ist bislang sehr erfolgreich. Und was Erfolg hat, setzt man gerne fort!


Uta Abendroth: Sehen Sie einen Synergieeffekt?

Markus Benz: Ja, denn Walter Knoll ist ja nicht nur im Objekt-, sondern auch im Wohnbereich tätig und zusammen mit gärtner können wir unsere Stärken ausspielen. Schließlich geht es ums Einrichten, Geschmack, Style, Planungs- und Projektumsetzungskompetenz. Da gärtner ein Meister dieses Fachs ist, war klar, dass sie diesen Teil des Einrichtens mit hoher Kompetenz ausfüllen können. Darüber hinaus wird Dienstleistung immer wichtiger. Warum gehe ich denn zu so einem Einrichtungshaus? Zumeist fängt mit einem Produktwunsch der Impuls nach Veränderung beim Kunden an. Sofa, Teppich, Farbe, Gardine, Licht… – jetzt ist man mit im Spiel, im Renovierungsmodus. Und da Einrichten komplex ist, braucht man Rat. Das Internet unterstützt heute eher den Produktkauf, aber die Generierung der Einrichtungsidee findet woanders statt. Ich brauche jemanden, der mir Ideen vermittelt, der gestaltet und erklärt. So entsteht ein gemeinsames Ganzes und da sehen wir in Zukunft das Potential.


Uta Abendroth: Haben Sie in der Kollektion von Walter Knoll ein Lieblingsmöbel?

Markus Benz: Nein, die Möbel sind alle meine Kinder. Sie haben unterschiedliche Fähigkeiten, aber ich kann zu jedem Produkt stehen, das ich heute in der Kollektion habe. Ich selbst wohne an zwei Standorten, die unterschiedlich eingerichtet sind. Alles ist von Walter Knoll und darauf bin ich stolz, denn alle Produkte passen zu meiner Persönlichkeit.


Uta Abendroth: Mit welchem Designer würden Sie gerne einmal arbeiten?

Markus Benz: Ich hätte gerne mal mit Mies van der Rohe gearbeitet, aber die Möglichkeit besteht ja nicht. Für mich ist das Spannende nicht das Bekannte, sondern ich entwickle gerne neue Themen, gerade beispielsweise mit einem jungen japanischen Designer. Ich spüre die Kreativität und die Klasse. Das dauert wohl noch ein paar Jahre, aber ich bin sicher, da kommt was zusammen. Design ist eine Erfahrungsdisziplin. Meine Erfahrung gibt mir die Sicherheit, gemeinsam mit den Designern in die richtige Richtung zu steuern, aber auch immer mal was Neues zu machen.


Uta Abendroth: Wie schauen Sie als Unternehmer in die Zukunft?

Markus Benz: Ich glaube, die Vorstellung von der Zukunft ist schlechter als die Zukunft selbst. Das heißt, man muss beweglich bleiben, seine Hausaufgaben machen, sinnvoll wirtschaften und dann kann man als ein Unternehmen wie unseres positiv in die Zukunft blicken.

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