Die Geschichte hinter dem „Lounge Chair“
Charles und Ray Eames waren eng mit Billy Wilder befreundet. Der Hollywood-Regisseur schwor darauf, sich ab und an am Filmset zurückzuziehen und ein bisschen zu schlafen. Warum nicht ausruhen in einem modernen Clubsessel? Seine Freunde, die ihren Wohnsitz in Los Angeles hatten, schufen den „Lounge Chair“ und präsentierten ihn am 14. März 1956 – Wilder bekam eine der ersten Versionen.
Das berühmte Designpaar Charles und Ray Eames hatte sich 1940 an der Cranbrook Academy of Art in Michigan kennengelernt. Die beiden experimentierten viel mit Sperrholz und während des Zweiten Weltkrieges entwickelten sie eine Beinschiene aus diesem Material, die für den Transport verletzter Soldaten genutzt wurde. Ihre Erfahrungen mit dreidimensional verformtem Plywood flossen später in die Gestaltung von Stühlen ein, zum Beispiel dem Plywood Chair, der 1946 auf den Markt kam.
Auch beim Lounge Chair, dem Inbegriff des Relax-Sessels, spielt Sperrholz, das unter Hitze und Druck, geformt wird, um die charakteristischen Konturen zu schaffen, die Hauptrolle. Seit 1957 produziert Vitra das ikonische Designstück in einem Verfahren, das sich kaum verändert hat. Rückenlehne und Kopfstütze des Sessels sowie die Sitzfläche und Ottomane haben jeweils die gleichen Abmessungen, die in den genau richtigen Winkeln zusammengefügt sind, um perfekten Komfort zu bieten. Charles Eames Devise bei der Arbeit am „Lounge Chair“ lautete: „Warum machen wir nicht eine zeitgemäße Version des alten englischen Clubsessels?“
Heute gibt es den Sessel in zwei verschiedenen Massen, um den Anforderungen der im weltweiten Durchschnitt rund 10 Zentimeter größeren Menschen gerecht zu werden. Eames Demetrios, der Enkel von Charles und Ray Eames sagt: „Charles hat immer gesagt, das Design im Gegensatz zur Kunst ein aktives Element hat, den Anspruch, am Puls der Zeit zu sein. Die beiden haben zu jeder Zeit mit neuen Materialien experimentiert und immer wieder Änderungen an ihren Entwürfen vorgenommen. Sie haben Dinge nicht einfach so zum Spaß geändert, sondern wenn es einen guten Grund dafür gab. Das ist eine natürliche Evolution und ich bin davon überzeugt, dass sie auch mit den aktuellen Änderungen einverstanden wären, ja, dass sie sogar selbst Änderungen initiiert hätten.“
Neben verschiedenen Hölzern für die Schalen und Varianten für die Untergestelle stehen verschiedene Leder sowie Stoffe für den Bezug zur Wahl. Billy Wilder könnte sich heute seinen ganz individuellen Sessel für das Set-Nickerchen zusammenstellen.
160,– €
1.630,– €