Zu Besuch bei Vitra
Vitra hat es geschafft, um seine Möbel herum ein ganzes Design- und Architekturuniversum aufzubauen. Auf einer Kirschbaumwiese in Weil am Rhein ist nicht nur eine Produktionsstätte entstanden, sondern ein Campus, auf dem sich Architekten von Weltruhm verewigt haben: Zaha Hadid baute 1993 mit der Feuerwache ihr erstes Gebäude überhaupt. Herzog & de Meuron stapelten zwölf in die Länge gezogene Häuser bis zu 15 Meter hoch übereinander. In diesem Bau präsentiert Vitra nicht nur seine Home Collection: Im Interior Studio können sich Besucher über Stoffe und Materialien informieren und im Parterre den Shop und das Café besuchen.
Tadao Ando verewigte sich mit einem Konferenzpavillon, Frank Gehry mit dem Vitra Design Museum und Sanaa mit einer Produktionshalle.
Doch der Campus wächst immer noch weiter. Dabei findet nicht nur Zeitgenössisches seinen Platz, sondern Altes wird wieder aufgebaut: Die Tankstelle des französischen Architekten und Designers Jean Prouvé aus dem Jahr 1953 zählt ebenso dazu wie der „Dome“ aus dem Jahr 1975 von dem amerikanischen Architekten Richard Buckmeister Fuller und der Airstream Kiosk von 1968. Die jüngste Ergänzung ist Kazuo Shinoharas „Umbrella House“: Ursprünglich 1961 in Tokio errichtet, sollte das quadratische Holzhaus an seinem bisherigen Standort einem Straßenbauprojekt zum Opfer fallen. Die Holzkonstruktion aus japanischer Zeder, japanischer Kiefer und Douglasie wurde zusammen mit den weiteren Teilen des Hauses verpackt und in Weil am Rhein wieder zusammengesetzt.
Aber was wäre Architektur ohne einen Bezug zur Umgebung? Piet Oudolf, der als einer der besten und einflussreichsten Gartendesigner der Welt gilt, hat auf dem Campus im Dreiländereck einen 4000 Quadratmeter großen Garten mit 30 000 Pflanzen angelegt. Wie so oft bei seinen Projekten spielen mehrjährige Pflanzen und Stauden, aber auch Gräser und Wiesenblumen eine Rolle.
Selbst wenn Oudolf die Gewächse so aussucht, dass der Garten zu jeder Zeit reizvoll ist, in Weil am Rhein kommt die volle Pracht der Blüten am besten im Sommer bzw. Spätsommer zur Geltung. Auf geschwungenen Wegen können Besucher zwischen den Beeten herumspazieren und von einer Sehenswürdigkeit zu anderen schlendern.