Im Porträt: Eileen Gray
Eileen Gray war eine sehr eigenständige und unabhängig arbeitende Designerin. Die Möbel der gebürtigen Irin sind trotz ihrer Funktionalität und des Umgangs mit modernen und industriellen Werkstoffen niemals kalt und haben eine schlichte Eleganz. Sie überraschen durch Ironie und Esprit, sind unangepasst und erzählen alle eine Geschichte. Modelle wie der „Adjustable Table E.1027“ oder der Sessel „Bibendum“ werden heute von ClassiCon produziert.
Eileen Gray (1878 – 1976) stammte aus einer irisch-schottischen Adelsfamilie. 1898 ging sie zunächst zum Studium nach London, später nach Paris. Die Wohnung, die sie dort 1907 bezog, sollte bis zum Tod der Architektin und Designerin ihr Zuhause bleiben.
Dass Eileen Gray zu einer Designpionierin, die sich mit den Materialien Stahl und Glas befasste, werden würde, war nicht zu erwarten. Zunächst hatte sie sich in der französischen Hauptstadt mit Interieurs im Art-déco-Stil und opulenten Möbeln einen Namen gemacht. Die junge Designerin lernte die Techniken der japanischen Lackkunst von Seizo Sougawara und kunsthandwerkliche Fertigkeiten in der Möbelwerkstatt D. Charles in London. Seit 1910 stellte sie lackierte Wandschirme her. Mit dem „Brick Screen“ erschafft sie eines ihrer begehrten Meisterstücke.
Doch Eileen Gray vertrug die Lackharze nicht und sattelte um: Über den rumänischen Architekten und Verleger Jean Badovici, dem sie 1920 begegnete und mit dem sie in der Folge rund zehn Jahre liiert war, lernte sie unter anderem Gerrit Rietveld und Le Corbusier kennen, die als die Protagonisten der Moderne gelten. Neue Materialien fanden fortan Verwendung in Grays Werk.
Ab 1925 realisierte die damals 47-Jährige ihr erstes Architekturprojekt auf einem felsigen Grundstück an der französischen Riviera. Das E.1027 genannte Haus ist ein Meisterwerk im Hinblick auf Raum- und Nutzungsplanung sowie auf die Bedeutung von Möbeln als integralem Bestandteil von Architektur. Das ungewöhnliche Kürzel steht für die Initialen des Paares: E für Eileen, 10 für Jean, 2 für Baldovici und 7 für Gray (nach der Position der Buchstaben im Alphabet). Alles in diesem progressiven Gebäude war auf die Bedürfnisse der Bewohner und ihrer Gäste zugeschnitten – so auch der „Adjustable Table E.1027“ genannte höhenverstellbare Beistelltisch, den Eileen Gray für ihre Schwester entwarf, die am liebsten im Bett frühstückte.
Als die Beziehung von Gray und Baldovici zerbrach, baute sich die Designerin nicht weit von Roquebrune-Cap-Martin ein neues Haus in Castellar, das allerdings im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Gray zog sich nach Paris zurück und verschwand aus der Öffentlichkeit. Erst Ende der Sechzigerjahre wurden Sammler und Ausstellungsmacher auf ihre Objekte und die erste Designerin der Moderne aufmerksam.
Zeev Aram, Möbel- und Interior-Designer mit Wohnsitz in London, kontaktierte die damals 93-Jährige in Paris und überzeugte sie, ihm die Rechte für die Herstellung einiger ihrer Entwürfe zu überschreiben. Heute werden die Möbel von ClassiCon in Lizenz hergestellt.
6.680,– €
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