Salone del Mobile 2019

Üppige Grünpflanzen verwandelten so manchen Messestand in Mailand in einen Dschungel, in den Showrooms in der Stadt watete der Besucher mal durch Sand, mal durch Salz und mal durch Styroporflocken. Auf dem Salone del Mobile gilt es, die Möbel so richtig in Szene zu setzen, denn längst, so scheint es, sind die Inszenierungen ebenso wichtig wie die Produkte.

Salone del Mobile 2019

Die 58. Ausgabe des Salone del Mobile lockte 386.236 Besucher aus 181 Ländern auf das Messegelände in Rho. Insgesamt dürften zu dem Event noch mehr Menschen in die lombardische Metropole gekommen sein, denn der Eindruck – trotz schlechten Wetters – war: Die City platzt aus allen Nähten.


Vor allem das Quartier Brera, wo sich viele Showrooms von Marken wie Fritz Hansen, Magis und De Padova befinden, wurde zu einer einzigen Flaniermeile. Denn auch temporäre Locations in Palazzi, Innenhöfen und Gärten ziehen Designfans an. So feierte beispielsweise Artek mit der „FIN/JPN Friendship Collection“ das hundertjährige Bestehen der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Und COR feierte in einem wohnlichen Apartment die neue Sitzmöbelfamilie „Nenou“ von Jörg Boner, die sich als ausgesprochen vielseitig erwies.
Auf der Messe gab es grandiose Inszenierungen wie den interaktiven „Tunnel“ am Stand von B&B Italia, Flos und Louis Poulsen. Legte man die Hand auf bestimmte Stellen der Wand, gerieten die gezeichneten Designer oder deren Entwürfe in Aktion. Eine Attraktion bei Louis Poulsen war die neue Leuchte „OE Quasi Light“ von Olafur Eliasson. Bei Flos waren die „Wireline“-Leuchten von Formafantasma, bei denen das Kabel, ein silikonbezogener Gurt, zum bestimmenden Designelement wird, ebenso ein Hingucker wie „Noctambule“ von Konstantin Grcic. Die zylinderförmige Leuchte aus Glas lässt sich dank ihres modularen Aufbaus immer wieder neu zusammensetzen und inszenieren. An diesem Modell wird deutlich, wie groß die gestalterische Freiheit bei Leuchten dank LEDs geworden ist. Die Leuchtkörper verstecken sich bei diesem Modell in der Basis und in den Verbindungsstücken. Allein Ingo Maurer wird sich wohl nie ganz von der Glühbirne verabschieden: Bei seinem Leuchter „La Festa delle Farfalle“, der von 34 Schmetterlingen und einer Libelle umschwärmt wird, liegen drei Glühlampen wie Birnen auf einem Porzellanteller, dessen integrierte LEDs nach oben und unten strahlen.
Auf dem Stand von USM wandelte sich das berühmte Möbelsystem in eine einzige grüne Wand, Fritz Hansen zeigte ebenfalls eine Art Wohnzimmer-Dschungel. Dass „Grün“ nicht nur im übertragenen Sinne angesagt ist, sondern sich auch in Produkten niederschlägt, war unter anderem bei Magis mit dem neuen modularen Sitzsystem „Costume“ von Stefan Diez zu sehen. Bei den Sesseln kommt weniger Polyurethanschaum für die Polsterung zum Einsatz, dafür mehr recyceltes Polyethylen für die Gestellschale. Auch Kartell, eine Marke, die Plastik salonfähig gemacht hat, setzt auf Nachhaltigkeit. Die „Componibili“, ein Entwurf von Anna Castelli Ferrieri aus dem Jahr 1969, gibt es nun aus Bio-Kunststoff. Darüberhinaus interpretiert Philippe Starck mit seiner „Smart Wood Collection“ den klassischen Werkstoff Holz als industriell gefertigtes Produkt. Anhand eines speziellen, patentierten Verfahrens wird eine Holzplatte mit einer Form bearbeitet, mit der das Holz bis an seine Bruchgrenze gebogen wird, um eine Sitzschale mit weichen Rundungen zu erzeugen.


Eindrücke vom Salone del Mobile finden Sie in unserer Bildergalerie und die Möbel demnächst auch bei uns im Showroom in den Großen Bleichen.