Klassiker von morgen

Immer wieder neue Möbel… Die Trends sind nicht ganz so schnelllebig wie in der Mode, aber welche Produkte werden wir auch in ein paar Jahren noch als gelungenes Design bezeichnen?

Sofa Tufty Design: Patricia Urquiola (© B&B Italia)

Rolf Fehlbaum, Chairman Emeritus von Vitra, dem mit dem „Panton Chair“, dem ersten Plastik-Freischwinger, in den Sechziger Jahren ein Jahrhundertwurf gelungen war, hat mal gesagt, ein Klassiker stamme aus einer anderen Zeit, er sei aber immer noch ein Zeitgenosse. Erst wenn er das nicht mehr ist, dann sei er eine Antiquität – und jedes Design würde diesen Weg einmal gehen. Aber es gäbe Produkte, wie zum Beispiel die Eames-Stühle, die einen ungeheuer langen Atem hätten und immer noch als zeitgenössisch empfunden würden. Kein Mensch, der nicht weiß, von wann diese Möbel sind, würde es erraten.
Welcher Entwurf aus dem 21. Jahrhundert hält diesen Kriterien stand, wenn man in die Zukunft schaut? Da sind sicherlich mehrere Entwürfe von Vitra, zum Beispiel das gerade überarbeitete Sofa „Polder“ der niederländischen Designerin Hella Jongerius, der „Basel Chair“, mit dem Jasper Morrison die Gattung des schlichten klassischen Holzstuhls, wie er seit rund 100 Jahren in großer Vielfalt und Menge industriell produziert wird, erneuert und der Stuhl „Vegetal“ der Brüder Bouroullec, der sich für drinnen und draußen gleichermaßen eignet.
Auch die Objekte von Antonio Citterio fallen in diese Kategorie. Der in Meda, dem Zentrum der italienischen Möbelszene, geborene Architekt verweigerte sich stets der Extravaganz und setzt seit Jahren auf ein entspannt-eleganten Look. Der heute 65-Jährige sagt: „Mich interessiert die Qualität der Normalität, nicht das jemand sieht, das ist ein Citterio. Vor allem die Achtziger Jahre waren in dieser Hinsicht extrem. Das Design war laut und Designer legten vor allem Wert auf das Wiedererkennen ihrer Entwürfe. Mich interessieren die großen Gesten nicht.“ Bereits 1972 begann seine Zusammenarbeit mit B&B Italia, die bis heute einige Sofas und Sessel hervorgebracht hat, die als Klassiker taugen: „Charles“ spielt mit verschiedenen Sitztiefen und Lehnen und den filigran wirkenden Sessel „J.J.“ gibt es auch in einer Version zum Schaukeln.
Ein moderner Designklassiker, der immerhin schon 21 Jahre auf dem Buckel hat, ist „Bigfoot“. Der Tisch, 1994 von e15-Mitbegründer und Architekt Philipp Mainzer entworfen, ist von radikaler Einfachheit. Aus massiver europäischer Eiche gefertigt, legt die reduzierte Form des Tisches alle natürlichen Merkmale des Materials bewusst offen, so dass e15 für sich eine Vorreiterrolle im Gebrauch von Massivholz in seiner reinsten Form schuf – und einen neuen Trend gleich mit.
Diese und einige andere Modelle unserer Lieferanten, darunter Fritz Hansen, Hay, Moormann, Moooi, Moroso und Thonet, sehen Sie in unserer Bildergalerie.