Im Gespräch: Richard Lampert

1993 gründete Richard Lampert sein gleichnamiges Unternehmen in Stuttgart mit dem Claim „Produkte mit Mehrwert und einer Prise Humor…“ herauszubringen.  25 Jahre später umfasst die Kollektion Möbel und Gebrauchsgegenstände von großer Vielfalt, sie passen in keine Schublade, sind gleichermaßen gut gestaltet wie nachhaltig. Zu den Designern zählen Newcomer und internationale Stars. Darüber hinaus haben die Schöpfer mancher Klassiker bei Richard Lampert ein neues Umfeld gefunden.

Richard Lampert (© Richard Lampert)

Uta Abendroth: Sie feiern in diesem Jahr das 25-jährige Jubiläum Ihres Unternehmens. Was bedeutet das für Sie?
Richard Lampert: Es beglückt mich ungemein, dass der Wunsch in Erfüllung gegangen ist, den ich vor 26 Jahren hatte. Mein Traum war, gut gestaltete Möbel zu entwickeln und damit erfolgreich eine Nische zu bedienen. Erfolgreich für die Designer, die ja von meiner Vermarktung leben, und erfolgreich für die Firma, sprich dass wir alle davon leben können. Das hat mit Lebensqualität zu tun, so etwas zu machen und gerne zur Arbeit zu gehen. Na ja, meistens… Das ist ja kein Honigschlecken, sondern hauptsächlich harte Arbeit.

UA: Ihre Kollektion setzt sich aus Klassikern und zeitgenössischen Entwürfen zusammen. Wie ist es zu diesem Mix gekommen?
RL: Zufall. Man begibt sich auf einen Weg und findet dann dies und das. Man überquert eine Straße oder sitzt in einem Café und man trifft einen Menschen, der einem wertvoll wird. Und so war es auch hie und da mit den Entwürfen. Bei den Klassikern bin ich anfangs auf den Eiermanntisch gestoßen, dann auf den Rattanstuhl von Herbert Hirche. Seither setze ich mich mit Eiermanns und Hirches Entwürfen immer mal wieder auseinander. Es geht dabei nicht darum, alles auf den Markt zu bringen, was ein Designer oder Architekt entworfen hat, sondern darum, ob das zu gegebener Zeit Sinn macht. Bei den neuen Entwürfen habe ich in der Regel eine Produktidee und bitte einen Designer diese umzusetzen. Manchmal sehe ich aber auch einen Entwurf oder Prototyp, der mich anzieht und ich will das dann realisieren

UA: Worin liegt der Reiz der sogenannten Designklassiker?
RL: Wie gesagt, das ist immer eine Frage der Zeit, in der es mir sinnvoll erscheint einen Entwurf zu realisieren. Und das gilt auch für die Klassiker. Da steckt kein Konzept dahinter wie „Klassiker laufen gerade, also mache ich Klassiker“. Trotzdem fand ich, dass zum Beispiel Hirches Barwagen Ende der Neunzigerjahre am Markt keine Chance gehabt hätte und den Geschmack der Kundschaft nicht traf. 2005 habe ich entschieden, ihn in die Kollektion aufzunehmen. Ich kann sagen, dass ich immer nur Produkte aufgenommen habe, die mich überzeugt haben. Und daraus entstand eine ungemein vielfältige Kollektion für das Wohnen und die Objekteinrichtung wie Büro, Hotel, Gastronomie usw. Dann gibt es noch Kinder- und Gartenmöbel… Das macht eigentlich kein Hersteller, denn man konzentriert sich allgemein auf bestimmte Dinge. Man macht Schlafzimmer und Kleiderschrankmöbel, Stühle oder Polstermöbel usw. Ich aber mache fast alles, was Chancen und Risiken mit sich bringt. Im Moment profitiere ich von den Klassikern besonders stark, obwohl ich deren Beliebtheit nicht vorhersehen konnte. Wie gesagt, es geht um das Besondere eines Entwurfs bzw. eines Produkts, egal aus welchem Bereich. Dadurch habe ich Produkte für den Internethandel ebenso wie für die Objekteinrichtung oder den beratungsintensiven Wohnbereich, der durch Innenarchitekten mitbestimmt wird.

UA: Und was können zeitgenössische Produkte dem entgegensetzen?
RL: Das ist meine eigentliche Leidenschaft, zeitgenössische Produkte zu entwickeln. Das braucht aber mehr Zeit, sowohl bis das Produkt serienreif ist, als auch bis es im Markt platziert und erfolgreich ist. Wenn diese Entwürfe aber gut sind, haben sie die Chance für den Klassiker von morgen. Das Zeitgenössische hat auch eine andere Frische und spiegelt den aktuellen Zeitgeist. Der Mix von alt und neu ist im Übrigen immer spannend.

UA: Wie gehen Sie bei der Erweiterung des Richard Lampert-Angebots vor?
RL: Ich versuche jeden meiner Bereiche zu berücksichtigen, mal Garten-, mal Kindermöbel, mal Wohnen, mal Objekt, mal Ergänzung zu Vorhandenem, mal Neues. Da entsteht der Wunsch, eine moderne Eckbank zu entwickeln, und plötzlich kommt die Idee, daraus auch eine Bank für den Garten zu machen, außenbeständig. Da habe ich einen alten Entwurf, einen Sessel und merke, dass der einen Fußhocker braucht. Also wird der dazu entworfen. Dann kam der Auftrag für 30 Sessel und Hocker für ein hochwertiges Kaufhaus und die brauchten noch einen passenden Beistelltisch dazu. Und plötzlich entstehen Produktfamilien.

UA: Haben Sie unter all den Produkten einen Favoriten?
RL: Nein, ich mag sie alle und bin der Meinung, dass sie in Sachen Gestaltung gleich anspruchsvoll sind, die alten wie die neuen Entwürfe.

UA: Was wünschen Sie sich für die Zukunft für Ihr Label?
RL: Dass eine kleine Firma wie meine auch in der Zukunft überlebt und gleich engagiert arbeiten kann. Und das in einem Umfeld, in dem die Großen immer stärker den Markt beherrschen und das Internet eine immer größere Herausforderung wird. Ich glaube dass wir gut gerüstet sind dafür.

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