Im Gespräch: Nani Marquina

Mit der Gründung der Marke Nanimarquina im Jahr 1987 betrat Nani Marquina neues Terrain: Bis zu diesem Zeitpunkt waren „Designteppiche“unbekannt. In ihrem Atelier in Barcelona arbeitet sie mit ihrem Team sowie mit internationalen Designstars wie Jaime Hayon oder Ronan und Erwan Bouroullec daran, die Grenzen des Bodenbelags immer weiter zu verschieben. Dafür setzt sie auf die einzigartigen Qualitäten des Materials, aber auch auf die gestalterischen Möglichkeiten, die dem Teppich innewohnen.
 

Making of nanimarquina

Teppich Tres (© Nanimarquina)

Uta Abendroth: Nani Marquina, in den letzten Jahren haben Teppiche an Popularität gewonnen. Was ist der Grund?
Nani Marquina: Ein Teppich hat sowohl technische als auch ästhetische Vorteile: Er verbessert die Luftqualität in einem Raum, er dämmt gegen Kälte, definiert darüber hinaus die verschiedenen Räume und trägt dazu bei, dass die Objekte auf ihm an Bedeutung gewinnen. Natürlich ist ein Teppich auch ein dekoratives Element, das jedem Raum einen persönlichen Stil verleiht.

UA: Was ist das Geheimnis eines „guten“ Teppichs?
NM: Für mich ist es wichtig, dass man seinen Ideen und dem ursprünglichen Konzept treu bleibt. Man sollte nicht durch die Herstellungsprozesse oder die Kosten des Produkts eigeschränkt werden. Natürlich ist der gesamte Prozess komplex, aber ich lasse mich von meiner Intuition mitreißen, von dem Gefühl, dass ein Design den erhofften Erfolg haben wird.

UA: Wie wählen Sie die Designer aus, die mit Ihrer Marke zusammenarbeiten?
NM: Zuerst habe ich alle Modelle mit einem internen Team entworfen, aber im Laufe der Zeit entstand mein Interesse, mich mit anderen Kreativen auszutauschen. Die Zusammenarbeit bringt Frische und Inspiration in unser Studio. Und sie garantiert die Vielfalt der Stile in unseren Kollektionen. In der Regel kommen Designer direkt mit einer Skizze. Als nächstes initiieren wir einen kreativen Prozess, um das Design zu perfektionieren und den besten Weg zu finden, es zu produzieren. Wenn mehrere kreative Köpfe zusammenkommen, entstehen neue Ideen, und das ist sehr bereichernd.

UA: Wer übt den größten Einfluss auf Sie und Ihre Arbeit aus?
NM: Meinem Vater, Rafael Marquina, verdanke ich alles, was ich bin und was ich heute mache. Er war einer der ersten Industriedesigner Spaniens, ein echter Pionier. Ich war fasziniert, als er jeden Tag mit seinen neuen Vorschlägen nach Hause kam. Von ihm habe ich seine große Leidenschaft für Design geerbt.

UA: Welche Rolle spielen die Materialien für Sie?
NM: Viele Designer sind ständig auf der Suche nach Perfektion und wählen genau aus diesem Grund synthetische Materialien. Es ist nicht so, dass ich künstliche Fasern aus Prinzip ablehne, aber ich benutze sie nur, um bestimmte Details hervorzuheben oder wenn das Design ihre Verwendung erfordert, z.B. für Outdoor-Teppiche. Für den Rest wähle ich immer natürliche Materialien. Meine Verbundenheit mit der Natur ist sehr stark und ich liebe die Farben, die wir darin finden, wie zum Beispiel im Morgengrauen oder bei Sonnenuntergang. Ich fühle diese Bindung nicht, wenn ich synthetische Materialien verwende.

UA: Welche Nanimarquina-Teppiche haben Sie in Ihrem eigenen Zuhause?
NM: Immer die der neuesten Kollektion. Um Ideen auszuprobieren, teste ich in der Regel die neuesten Technologien und Fasern in meinem Zuhause. Dies hilft mir in den letzten Phasen des kreativen Prozesses.

Mehr Informationen unter www.nanimarquina.com