Im Gespräch: Kaschkasch

Florian Kallus und Sebastian Schneider gründeten vor fünf Jahren ihr Studio kaschkasch in Köln. Den minimalistischen Entwürfen der Designer liegen raffinierte Ideen zu Grunde, originelle Details ergänzen die oft geometrischen Linien. Zu den Kunden gehören mittlerweile Living Divani, Normann Copenhagen, Menu und Zeitraum.

Büro Kaschkasch (© kaschkasch)

Uta Abendroth: Immer mehr Entwürfe, immer größere Präsenz bei immer mehr Firmen auf den letzten Möbelmessen – Sie beide haben den Ruf der Newcomer aus Deutschland. Wie fühlt sich das an?
Florian Kallus: Sebastian und ich arbeiten nun seit fünf Jahre zusammen als kaschkasch. Aktuell spüren wir das, was Sie beschreiben, auch stärker denn je – was uns freut und auch sehr stark motiviert! Es ist natürlich ein gutes Gefühl zu merken, dass etwas zurückkommt, und wir an vielen neuen Projekten mit tollen Firmen arbeiten dürfen.

UA: Wie gehen Sie an ein neues Projekt heran, was ist der „starting point“ beispielsweise bei einem Objekt wie dem Wandschreibtisch „Fju“ für Living Divani?
Sebastian Schneider: In der Regel startet jeder mit der Ideenfindung erst mal für sich. Da hat jeder von uns seine ganz eigenen Inspirationen und Herangehensweisen. Wenn einer von uns dann meint, eine überzeugende Idee zu haben, wird sie dem anderen anhand von Skizzen vorgestellt und erklärt. Von da an geht die Reise dann gemeinsam weiter. Manchmal entwickeln sich die ersten Ideen im Diskurs dann in eine total andere Richtung als gedacht. Im Fall von „Fju“ war die Marschrichtung schnell ziemlich klar. Diese spezielle Idee ist aus der Beobachtung entstanden, dass eine Vielzahl von Menschen keinen klassischen Schreibtisch mehr zu Hause hat, und es doch so etwas wie einen kleinen, platzsparenden und stationären Arbeitsplatz geben müsste. Diese Beobachtung war der „starting point“ für die Idee von „Fju“.

UA: Was reizt Sie am Design?
Sebastian Schneider: Ideen zu haben und Partner zu finden, die an unsere Ideen glauben und diese in Serie produzieren. Der Moment, in dem eine Idee zum greifbaren Produkt wird, ist immer wieder ein tolles Erlebnis.

UA: Was inspiriert Sie am stärksten?
Sebastian Schneider: Mich inspirieren ganz verschiedene Dinge. Ganz häufig kommen mir Ideen erst beim Skizzieren. So entwickeln sich Ideen bei mir – ohne diesen speziellen Inspirationsmoment im Voraus. Also eigentlich kann man sagen, ich inspiriere mich selbst.

UA: Wer oder was hatte in stilistischer Hinsicht den größten Einfluss auf Sie?
Florian Kallus: Das ist eine nicht ganz einfach zu beantwortende Frage… Ich denke, für mich war bereits das familiäre Umfeld ein prägendes Erlebnis, was sich dann durch die Beschäftigung mit Kunst, Musik, Popkultur, Mode, Architektur, – klar auch – Design und vielen anderen Dingen zu einem eigenen Empfinden von Ästhetik gebildet hat. Ich glaube nicht, dass es eine Sache oder Persönlichkeit alleine gibt, welche mich diesbezüglich maßgeblich prägen konnte. Doch um ein paar Namen zu nennen, mir fallen spontan der Künstler Paul Kremer, der Künstler Erwin Wurm, der Maler, Architekt und Bildhauer Donald Judd sowie der Designer Achille Castiglioni ein.

UA: Was für eine Rolle spielen für Sie Begriffe wie Handwerk oder Luxus?
Florian Kallus: Wenn ich mich für einen Begriff entscheiden müsste, definitiv Handwerk.
Vor dem Studium und der Gründung von kaschkasch haben wir beide eine Lehre als Schreiner gemacht, daher auch der Bezug zum Handwerk. Die Ausbildung zum Tischler ist etwas, was ich absolut nicht missen möchte, und was mir täglich privat und auch in der Produktentwicklung zugute kommt. Das Handwerk ist auch immer wieder eine Quelle der Inspiration für neue Entwürfe. Luxus ist ein Begriff, den ich nur selten verwende.

UA: Wie wichtig sind die Materialien, mit denen Sie arbeiten?
Sebastian Schneider: Materialien spielen für uns eine große Rolle im Entwurfsprozess. Welches Material hat welche Vorzüge und kommt wo und wie zum Einsatz? Wie das Produkt selbst, muss auch die Materialauswahl für uns nachvollziehbar und logisch sein.

UA: Wie schwierig ist es, unabhängig zu agieren und seinem eigenen Stil treu zu bleiben?
Sebastian Schneider: Schwieriger ist es erst mal, seinen eigenen Stil zu finden…

UA: Welches Ihrer Objekte benutzen Sie gerne und warum?
Florian Kallus: Meine „Cap“-Leuchte. Die Silhouette und das gerichtete oder wahlweise auch indirekte Licht, welches sie spendet, macht es angenehm gemütlich in meinem Wohnzimmer.