Im Gespräch: Jaime Hayon

Jaime Hayon hat zwei Gesichter, seine Formensprache mäandert zwischen Pop-Art und Minimalismus, zwischen buntem Kitsch und reduzierter Leichtigkeit. Uta Abendroth hat mit dem Tausendsassa aus Valencia über Plastik, Polsterer und Perfektionismus gesprochen.

Jaime Hayon (© Fritz Hansen)

Uta Abendroth: Jaime Hayon, es gibt wohl kaum einen Designer, der ästhetisch so flexibel ist wie Sie. Wie erklären Sie Ihre verschiedenen Looks?
Jaime Hayon: Das ist ganz einfach: Ich arbeite mit vielen verschiedenen Leuten und Firmen zusammen. Gemeinsam entwickeln wir die Projekte und dabei entstehen automatisch unterschiedliche Looks. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Unternehmen ganz gerne mit mir zusammenarbeiten, weil ich niemandem etwas aufoktroyiere. Der Dialog steht im Vordergrund und erst durch die Kooperation entstehen tolle Sachen.

UA: Aber jedes Mal kommt etwas dabei heraus, das extrem eigenständig ist.
JH: Na klar, es geht doch schließlich auch jedes Mal es um etwas anderes. Bei Fritz Hansen geht es um dänisches Design und Polstermöbel, bei Cassina stehen italienisches Design und hochwertiges Leder im Fokus, bei Magis spielt Kunststoff die Hauptrolle, bei Lladro Porzellan und bei Baccarat Kristall. Jedes Unternehmen ist ein eigenständiger Kosmos mit unterschiedlichen Ansprüchen und Aussagen.

UA: Was für eine Rolle spielt Perfektion in Ihrer Arbeit?
JH: Ich bin ein totaler Perfektionist. Aber in der Zusammenarbeit geht es mir nicht darum, schon mit einem fertigen Entwurf zum Hersteller zu kommen. Ich möchte mit Ideen arbeiten. Und mit den Handwerkern vor Ort. „Vico“ für Cassina ist ein gutes Beispiel: Die Polsterer und ich, wir haben uns gegenseitig angetrieben, sind an die Grenzen des Machbaren gegangen. Denn statt das Gewebe mit dem Rahmen zu verkleben, wurde es um die Struktur herumgearbeitet.

UA: Kannst Du noch ein Beispiel nennen?
JH: Ja, der Stuhl „Milà“ für Magis war auch so eine Herausforderung. Normalerweise arbeite ich mit Materialien wie Holz, Metall oder Keramik, die eine sehr, sehr lange Tradition haben. „Milà“ ist aus Kunststoff, ein Material, das ich eigentlich nicht so gerne mag. Wenn man aus einiger Entfernung auf „Milà“ draufguckt, denkt man, es handele sich um einen gepolsterten Holzstuhl, das Material sei Mahagoni. Aber so wie der Stuhl da steht, sind die Verbindungen nur in Plastik möglich. Er wirkt ausgesprochen elegant und nobel für ein Plastikmöbel. Wenn der Stuhl nicht so rüberkommen würde, hätte ich dieses Projekt nicht gemacht.

UA: Also eine ausgesprochen fruchtbare Kooperation?
JH: Auf jeden Fall! Meine Idee und das Produktionswissen der Firma haben sich perfekt ergänzt. Bei Cassina habe ich eine ähnliche Erfahrung mit der Kollektion „Réaction Poétique“ gemacht. Sie haben die Entwürfe für die Tische und Tabletts gleich gemocht, fühlten sich an alte Zeiten mit Franco Albini erinnert und waren sehr enthusiastisch bei dem ganzen Projekt.

UA: Was inspiriert Sie denn am meisten?
JH: Alles was mich umgibt. Es fragt sich dann nur, was ich von meinen Eindrücken verwenden kann, um daraus ein Produkt werden zu lassen.

UA: Und welche Rolle spielen Materialien und Technologien dabei?
JH: Sie sind jeweils nur Komponenten. Es reicht nicht, ein neues Produkt wegen eines neuen Materials oder einer neuen Technik zu machen. Ich bin davon überzeugt, dass man eine Geschichte erzählen muss. Und nur die Kombination der Erzählung mit dem Material wird die Geschichte größer und den Entwurf lebendig machen.  

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