Im Gespräch: Hanne Willmann

Hanne Willmann macht sich bei jedem neuen Entwurf auf die Suche nach der perfekten Verbindung von Design und Handwerk, Individualität und Einfachheit. Ihre Produkte sind nicht nur schön, sie haben immer einen ganz besonderen Twist.

Hanne Willmann (© Menu)

Uta Abendroth: Welchen Ihrer Entwürfe mögen Sie am liebsten?
Hanne Willmann: Das schwankt von Produkt zu Produkt. Es gibt Dinge, in die ich so viel Herz gesteckt und so sehr um jedes Detail gekämpft habe, dass sie dichter an mir dran sind als andere. Zum Beispiel mein „Tray Shelf“ für Woud: Jedes Detail habe ich so durchdekliniert, dass der Hersteller am Ende keine einzige Veränderung mehr gewünscht hat. Für mich ist das Regal auch rund ein Jahr nach der Präsentation immer noch mein Liebling. Clean, clever, aber anders.

UA: Sie sind in den letzten Jahren richtig durchgestartet, wie fühlt sich das an?
HW: Mir geht das eigentlich alles viel zu schnell! Begriffe wie „Stardesignerin“ sind mir manchmal richtig unangenehm und ich verspüre den Drang, alles herunter zu kochen. Was sich aber gut anfühlt, ist, dass ich eine stetig wachsende Anzahl toller Projekte machen darf!

UA: Wie haben Sie Ihre Karriere begonnen?
HW: Nach dem Studium in Berlin und Barcelona habe ich zunächst bei Autoban in Istanbul und bei Werner Aisslinger in Berlin mitgearbeitet. Nach und nach habe ich dann eigene Projekte in Gang gesetzt und dazu Lehraufträge in Dessau und Berlin angenommen. Schließlich haben sich ein paar Hersteller wie Menu und Schönbuch getraut, meine Produkte auf den Markt zu bringen. Die Leute, die an mich und meine Entwürfe geglaubt haben, haben mir einen Vertrauensvorschuss gegeben. So kam eins zum anderen.

UA: Was verstehen Sie unter gutem Design?
HW: Ich bin davon überzeugt, dass man mit viel Empathie – sowohl für den Hersteller, als auch für den Endkunden – an einen Entwurf gehen muss. Außerdem sollte man als Kreativer Vertrauen in seine eigene Arbeit haben, denn wir Gestalter haben in vielen Fällen einen siebten Sinn dafür, Dinge und Bedürfnisse wahrzunehmen, die so noch gar nicht von anderen erkannt oder formuliert wurden.

UA: Was dient Ihnen als Inspiration?
HW: Eigentlich alles um mich herum. Milena Kling, mit der ich mir mein Büro in Berlin teile, ist mir mit ihrer intuitiven und experimentellen Arbeitsweise ebenso eine ständige Inspiration wie meine Mitarbeiter Clara und Ethem, die vor Kreativität nur so sprudeln. Tatsächlich entsteht bei uns alles demokratisch…

UA: Und was macht Ihnen am meisten Spaß in Ihrem Job?
HW: Ich mag die Bandbreite, die Vielfältigkeit, egal ob es sich um die erste hingekritzelte Skizze auf einer Serviette, technische Konstruktionen am Computer, Modellbau, Farb- und Materialrecherchen oder Fotostylings handelt. Jeder Tag ist anders, immer wieder stellen sich andere Aufgaben und natürlich ist jedes Projekt anders: Mal entwerfe ich Stühle, dann Vasen, Betten, Regale oder Stoffkollektionen und seit kurzem bin ich die Kreativdirektion von Interlübke. Das alles zusammen macht viel Spaß und macht mich glücklich!