Im Gespräch: Andreas Göpel

Andreas Göpel, geschäftsführender Gesellschafter bei Gärtner, über das Arbeiten in der Krise und die Aussichten für die kommenden Monate.

Im Gespräch: Andreas Göpel

Uta Abendroth: Herr Göpel, die aktuelle Situation, die Schließung der Läden und die Kontaktsperre, sind für alle eine Herausforderung. Wie gehen Sie bei Gärtner damit um?

Andreas Göpel: Wir haben gleich zu Beginn des Shutdowns unser Team in den Großen Bleichen 50/50 aufgeteilt, abwechselnd im Office und dann wieder im Homeoffice. Zum Glück haben wir in den letzten Jahren in die notwendige Infrastruktur und Digitalisierung unserer Prozesse investiert und waren somit schnell ein vernetztes Unternehmen. Gerade in den ersten beiden Wochen seit dem 17. März sind viele laufende Projekte in Telkos und Videocalls weitergeführt worden.
Gärtner ist überwiegend projektorientiert aufgestellt. Die fehlende Laufkundschaft und das ausbleibende Geschäft im Showroom treffen uns durchaus, aber zum Glück noch nicht so hart. Was fehlt ist der persönliche Kontakt mit unseren Kunden und projektbegleitenden Architekten im Showroom. Möbel wollen live ausprobiert werden, Muster angesehen, angefasst und abgestimmt werden. Das alles muss auf anderem Weg organisiert werden.
Grundsätzlich sind wir weiterhin für unsere Kunden da, denn Beratungen und Planungen können auch per Mail oder Telefon erfolgen.

Uta Abendroth: Einige Mitarbeiter im Homeoffice, andere in den Büros in den Großen Bleichen – wie stimmen Sie sich ab?

Andreas Göpel: Es gibt in allen Teams entsprechende Pläne oder Teamkalender. Mail, Chat, Telefon. Fast jeder Gärtner Mitarbeiter hat seinen eigenen Desktop dort, wo ein Rechner mit Netz verfügbar ist. Es ist auf allen Kanälen ordentlich was los. Alle zwei Wochen haben wir uns bis jetzt in größerer Runde getroffen. Unser Showroom bietet uns ja gerade reichlich Platz. Einige Mitarbeiter sind dann auch per Videocall dabei.
 
Uta Abendroth: Wie betreuen Sie derzeit Ihre Projekte?

Andreas Göpel: Fast alle Baustellen und Projekte laufen unter Berücksichtigung der bekannten Maßnahmen weiter. Unser Vertrieb hat zwar immens weniger persönlichen Kundenkontakt, aber die Anzahl der gleichzeitigen VPN Verbindungen und Telkos oder Videocalls hat ein nie dagewesenes Niveau erreicht. Seit Anfang April ist es aber doch deutlich ruhiger geworden und wir haben uns in Abstimmung mit unseren Mitarbeitern für den kurzfristigen Abbau von Urlaub entschieden.
 
Uta Abendroth: Und wie sieht es mit der Auslieferung bereits bestellter Produkte aus?

Andreas Göpel: Unser Service ist seit Beginn der Krise nahezu voll ausgelastet und ich möchte mich an dieser Stelle bei unserem Team für den täglichen Einsatz unter diesen Bedingungen bedanken. Sofern nicht unvorhersehbare Lieferausfälle bei unseren vielen Lieferanten auftreten oder Kunden gar die Termine absagen mussten, werden Projekte und normale Lieferungen wie geplant auch im gesamten April und Mai durchgeführt. Nur wenige unserer Lieferanten haben die Produktion vorrübergehend komplett eingestellt. Aber es gibt natürlich in den Lieferketten Verzögerungen und Umplanungen, was wiederum bei uns reichlich Abstimmungsarbeit in der Logistik auslöst.
 
Uta Abendroth: Was lernen Sie bei Gärtner aus den derzeitigen Gegebenheiten und was könnte sich sogar in Zukunft positiv auswirken?

Andreas Göpel: Plötzlich wird vielen deutlich: Arbeit ist kein Ort. Arbeiten an einem anderen Ort ist jederzeit möglich, sofern die Prozesse es erlauben und die Technik es ermöglicht. Diese Erfahrung haben viele von uns in den vergangenen Wochen sehr intensiv gesammelt. Gleichzeitig wird aber auch allen deutlich, wie wertvoll eine Firmenbasis, wie immens wichtig ein gemeinsames Büro, ein eigener Ort für die Firmen DNA ist. Nicht umsonst klagen ja so viele der „neuen Homeofficler“ in den sozialen Kanälen über die Vereinsamung in Ihren Wohnzimmern oder über den einen oder anderen ungewohnten Nebeneffekt. Ich selbst war nach den Hamburger Skiferien in häuslicher Quarantäne und die Tatsache, dass die „Kantine“ (Küche) gleich nebenan im Homeoffice liegt, hat nicht nur Vorteile…

Wir haben bei uns in den Großen Bleichen unser eigenes 800 Quadratmeter großes Teambüro in den letzten Monaten umfangreich renoviert und komplett neu gestaltet und freuen uns darauf, dies hoffentlich schon bald unseren Kunden und Architekten zu präsentieren. Viele unterschiedliche Raumsituationen, Think-Tanks, Meeting-Points und Phoneboxen bieten uns jetzt die Möglichkeit, auch im eigenen Büro schnell andere Orte zu nutzen. Ein Stück weit hat der klassische Schreibtisch bzw. fest zugewiesene Arbeitstisch seine Daseinsberechtigung schon verloren, nicht erst seit Corona. Aber wenn man dem Ganzen aus dieser Sicht etwas Gutes abringen kann, dann der plötzlich erzwungene, fast spielerische Umgang und die Erfahrung mit anderen Arbeitsorten. Wir sind schon länger überzeugt: In der Zukunft müssen wir lernen mit Arbeit, vor allem dem daran gebundenen Faktor Zeit, viel flexibler umzugehen. Das ist noch ein langer Weg mit vielen neuen Erfahrungen.

Still und leise haben wir übrigens am 3. April 2020 unseren offiziellen 100. Geburtstag gefeiert. Wir glauben ganz fest daran, dass wir im Herbst diesen Jahres den Geburtstag nachholen werden und unseren Kunden ein tolles Event mit einmaligen Angeboten bieten können.

 

Seit Montag, 20.04.20 ist ein Teil unseres Showrooms wieder für Sie geöffnet. Natürlich unter Beachtung aller Sicherheitsmaßnahmen. Wir freuen uns auf Sie!