Grandiose Inszenierungen

Auf dem Salone del Mobile in Mailand machen es die Firmen vor: Ihre Möbel und Leuchten feiern sie in zum Teil aufwändigen Installationen. Standen bis vor ein paar Jahren noch die Objekte im Vordergrund, wird jetzt der gesamte optische Eindruck immer wichtiger. Warum? In Zeiten von Social Media müssen „die Bilder“ stimmen.

Messestand B&B Italia, Flos & Louis Poulsen

Der Messestand von B&B Italia, Flos und Louis Poulsen hat auf der diesjährigen Möbelmesse in Mailand Standards gesetzt: Den riesigen Kasten, in dessen Innerem die einzelnen Marken der neuen Design Holding unabhängig voneinander ihre Neuheiten präsentierten, durchzog ein tunnelartiger Gang mit einer originellen Multimedia-Installation. Auf den Wänden waren einige der berühmtesten Designer mit ihren bekanntesten Entwürfen zu sehen, darunter die Bouroullec-Brüder mit ihrer Pendelleuchte „Aim“, auf deren Schnüren Tauben landeten, Poul Henningsen mit seiner Leuchte „Artichoke“, die alle ihre „Blätter“ verliert und Gaetano Pesces Sessel „Up“, der sich wahlweise mit Luft vollsaugt oder sie wieder ablässt – all diese Hybride aus Zeichnung und Projektion konnten Besucher durch bloßes Berühren der Wand animieren.

Dieser Tunnel dürfte den Titel als das am stärksten „instagramable“-Projekt des Salone einheimsen. Ebenfalls für Aufsehen sorgte eine Inszenierung der neuen Raf Simons-Kollektion für Kvadrat. Die Stoffe wurden in der Installation „No Man's Land“ in der Stadt in einer Szenerie aus drei Häusern von Jean Prouvé gezeigt. „Atom“, ein lebhaft experimenteller Bouclé-Stoff mit zufällig angeordneten Farbsprenkeln, wurde von Star-Florist Marc Colle als riesiger Blumenteppich interpretiert.

Dem Design-Thema des Jahres – dem Bauhaus-Jubiläum – widmete Knoll International die Ausstellung „Knoll celebrates Bauhaus“ im eigenen Showroom auf der Piazza Bertarelli. Das vom niederländischen Architekten Rem Koolhaas mitbegründete Studio OMA und die Designkuratorin Domitilla Dardi hatten für die Schau vier Themen ausgemacht: Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe, Florence Knoll und das Erbe des Bauhauses im zeitgenössischen Design. Beim Betreten der als Theaterbühnen inszenierten Bereiche konnten die Besucher die Objekte und Einrichtungsgegenstände erleben und die narrativen Verbindungslinien nachverfolgen.

Das Thema Nachhaltigkeit, das Unternehmen wie Kartell, Emeco und Magis durch neue Kunststoffe besonders herausstellten, fand seine Umsetzung vor allem in opulentem Grün: Dschungelartige Arrangements gab es bei USM, Fritz Hansen und vielen anderen. Es macht deutlich, dass die Wohnwelten drinnen und draußen immer mehr verschmelzen – wunderbar!