Die Geschichte hinter der „Plywood Group“

Charles und Ray Eames experimentierten bei der Entwicklung der „Plywood Group“ über Jahre mit dreidimensional verformtem Schichtholz. Noch bevor die Stühle serienmäßig in Produktion gehen konnten, wurde das Verfahren anderweitig eingesetzt: Im Zweiten Weltkrieg stellte die Navy Formsperrholzschienen her, mit denen die Beine verletzter amerikanischer Soldaten während des Transports geschient wurden.

Sessel LCW rot (© Vitra)

Das wohl berühmteste Ehepaar der Designgeschichte, Charles und Ray Eames, experimentierte jahrelang mit Schichtholz, um das doch recht starre Material den Formen des menschlichen Körpers besser anzupassen. Ziel war es, eine ergonomische Form zu entwickeln, die komfortables Sitzen möglich macht. Am Ende ihrer Versuche standen Sitz und Rückenlehne der „Plywood Group“ mit ihrem dezenten Schwung. Für zusätzlichen Sitzkomfort sind die einzelnen Elemente mit elastischen Gummischeiben, sogenannten shock mounts, am Gestell befestigt.

Der „Plywood Chair“ wurde mit einer Technologie zum Formen von Sperrholz entworfen, die die Eames vor und während des Zweiten Weltkriegs entwickelt hatten. 1940, noch vor dem Kriegseintritt der Amerikaner, reichten Charles Eames und sein Freund, der Architekt Eero Saarinen, eine Möbelgruppe bei dem Wettbewerb „Organic Design in Home Furnishings“ des Museum of Modern Art ein. Dabei ging es um die natürliche Evolution von Möbeln als Antwort auf eine sich schnell verändernde Welt. Eames und Saarinen gewannen den Wettbewerb, aber die serielle Fertigung der Stühle wurde aufgrund von Produktionsschwierigkeiten und dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg verschoben. Saarinen kehrte dem Projekt enttäuscht den Rücken. 

1941 zogen Charles und Ray Eames nach Venice Beach in Kalifornien. Charles nahm eine Stelle als Bühnenmaler für die MGM Studios an, Ray, die Malerei und Bildhauerei studiert hatte, setzte die Versuche mit Formholzsperrholzkonstruktionen im Gästezimmer der Wohnung fort. Ein Jahr später verließ Charles MGM, um mit der Herstellung von Formsperrholzschienen für die United States Navy zu beginnen. Die Schienen verwendeten zusammengesetzte Kurven, um die Form des menschlichen Beines nachzuahmen. 

Die Erfahrungen mit dem Material schlugen sich in den Stuhlentwürfen nieder, die dank der Kombination von einer Sitzschale mit verschiedenen Untergestellen immer wieder anders wirkt. Zur „Plywood Group“, die von Vitra produziert wird, gehören heute verschiedene Stühle, die jeweils über unterschiedliche Untergestelle und Sitzhöhen verfügen. Als besonders charakteristisch gelten der Loungestuhl „LCW“ und der Esszimmerstuhl „DCW“, bei denen das Untergestell jeweils ebenfalls aus verformtem Schichtholz realisiert wird. Die Stühle „LCM“ und „DCM“ verfügen wiederum über ein schlichtes Untergestell aus Stahlrohr, das ausgesprochen elegant mit Sitz und Rückenlehne kontrastiert. Damit erhielt der Entwurf größere Leichtigkeit. Neben ungepolsterten Modellen brachten die Eames auch mit Kuhfell oder Leder bezogene Versionen auf den Markt. Die mit einem dünnen Polster unterlegten Fell- oder Lederbezüge führten dabei zu einem weiteren Zugewinn an Sitzkomfort. 

Auf der Möbelmesse in Mailand im April wurden neue Modelle mit Sitzschalen in dunkel pigmentiertem Walnussholz sowie in Eschenholz in einem neuen Naturton präsentiert. Zudem ist das schwarz pulverbeschichtete Metalluntergestell nun mit allen Sitzschalenvarianten kombinierbar. Die neuen Hölzer verleihen den Stühlen eine frische Eleganz und die schwarzen Stuhlbeine, die sich an frühen Originalen orientieren, wirken dank ihrer klaren, grafisch betonten Konturen leicht und grazil. Die neuen Holz- und Untergestellvarianten stehen auch für den Clubtisch „CTM“ zur Auswahl und der „Folding Screen“ ist ebenfalls im neuen Eschenholz gearbeitet. In Kürze können Sie diese Neuheiten bei uns im Showroom in Augenschein nehmen oder jetzt schon online bestellen.