Die Geschichte hinter den „Akari Light Sculptures“

Isamo Noguchi war ein Tausendsassa. Der amerikanische Bildhauer und Designer mit japanischen Wurzeln gestaltete Gärten, Spielplätze, Skulpturen und Möbel. 1951 schuf er die „Akari Light Sculptures“ aus Washi-Papier; die Re-Editionen der Leuchten lässt Vitra bis heute in Japan produzieren.

Akari (© Vitra)

„Die Magie des Papiers verwandelt die kühle Elektrizität zurück ins ewige Licht der Sonne. Damit ihre Wärme auch in der Nacht weiter unsere Räume füllen kann,“ hat Isamo Noguchi (1904 – 1988) einmal über seine „Akari Light Scupltures“ gesagt. Der Mann war ein früher Weltenbürger: Geboren in Los Angeles als Sohn eines Japaners und einer Amerikanerin, studierte es unter anderem bei Constantin Brâncuși in Paris, reiste durch Japan, China, Europa sowie den Mittleren Osten und unterhielt neben seinem Studio in New York sogar eins auf der japanischen Insel Shikoku.
Auf einer seiner Reisen besuchte er die Stadt Gifu auf Honshū, der Hauptinsel Japans. Die Stadt ist ein Zentrum der Papierschirm- und –laternenherstellung. Noguchi skizzierte noch vor Ort die ersten beiden Versionen der „Akari Light Scupltures“, inspiriert von Bootslaternen japanischer Fischer. Ob verdreht auf Füßen, elliptisch, rund oder quadratisch, ob klein oder gigantisch groß – seit 1951 entstanden über 100 Modelle für den Tisch, als Steh- und als Deckenleuchten.
Bis heute wird jede Leuchte in der Manufaktur Ozeki in aufwendiger Handarbeit gefertigt. In dem traditionellen Familienbetrieb in Gifu werden die hölzernen Originalformen von Noguchi mit Bambusruten bespannt, sie bilden das konstruktive Rippenwerk der jeweiligen Leuchte. Je nach Form des Schirmes wird Washi-Papier aus der Rinde des Maulbeerbaumes in Streifen geschnitten und noch feucht auf die Bambusrippen gezogen. Die Holzform wird nach der Trocknung entfernt, der Schirm lässt sich dann dank der Rippen falten.
Das vielleicht bekannteste Modell ist der Ballon „Akari 120A“ mit einem Durchmesser von 120 cm. Originell sind die „Akari BB3-33S“ mit ihrem bananenförmigen Lampenschirm sowie die verschiedenen Versionen der „Akari 1A“-Kollektion mit ihren teilweise bunt bemalten Papierschirmen. Die große Formenvielfalt beweist Noguchis skulpturales Talent und sorgt dafür, dass die Leuchten perfekt in die unterschiedlichsten Umgebungen passen.
Isamu Noguchi ist einer der berühmtesten Vertreter des Midcentury-Designs, dessen Objekte wie die „Akari“-Leuchten und der „Coffee Table“ (ebenfalls von Vitra) im gleichen Atemzug wie die Entwürfe des italoamerikanischen Designers Harry Bertoia, des in die Staaten emigrierten Finnen Eero Saarinen sowie dem Designerpaar Charles und Ray Eames genannt werden. Isamu Noguchi bildhauerischer Stil wirkte in den Fünfzigerjahren stilbildend auf die organische Formensprache.