Die Geschichte hinter dem „S 43“

Mart Stam experimentierte 1925 mit Gasrohren und setzte daraus einen Stuhl ohne Hinterbeine zusammen. Ein Jahr später lud Ludwig Mies van der Rohe ihn zur Teilnahme an der Werkbundausstellung „Die Wohnung“ in Stuttgart ein – dort zeigte Stam erstmals seinen Freischwinger, die Grundidee verschiedener, bis heute von Thonet produzierter Modelle.

Der Niederländer Mart Stam (1899 – 1986) war ausgebildeter Tischler und lehrte zwischen 1928 und 1929 Städtebau am Bauhaus in Dessau. Für Stam war Reduktion kein Selbstzweck. Vielmehr ging es ihm um industriell und seriell herstellbare Typen, um gut gestaltete Möbel, die für eine breitere Zielgruppe erschwinglich sein sollten. 1925 begann er damit, aus Gasrohren einen Stuhl zu formen. Er wollte ein Modell ohne Hinterbeine, geradlinig, ästhetisch und sparsam in der Konstruktion. Zusätzlich sollte der Sitzkomfort verbessert werden, was tatsächlich ein Merkmal des Freischwingers wurde: Durch den leichten Schwingeffekt des Gestells kann im Allgemeinen auf eine Polsterung verzichtet werden.

Mart Stams Idee fand Gefallen. Ludwig Mies van der Rohe lud ihn 1926 zur Teilnahme an der Werkbundausstellung „Die Wohnung“ in Stuttgart ein. Dort konzipierte Stam ein Reihenhaus mit drei Wohneinheiten, zwei davon richtet er selbst ein, für die dritte war Marcel Breuer verantwortlich. Hier war der hinterbeinlose Kragstuhl das erste Mal öffentlich zu sehen – er wurde zum Prototyp für zahllose Nachahmer.

Reduktion pur erzielte Stam beim Freischwinger „S 43“, dessen künstlerisches Urheberrecht heute bei Thonet liegt, indem er das Stahlrohrgestell mit Formholzteilen für Sitz und Rücken kombinierte. Schon der Lesesaal Naturwissenschaften der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig wurde 1933 mit dem Stahlrohrmöbel ausgestattet. Stam setzte auf die schnörkellose, sachliche Form, damit sich der Stuhl stimmig in die modernen Gebäude jener Zeit integrieren ließ.

1935 wurden die Stühle unter der Bezeichnung „B 33 g“ (G = Garten) erstmals im Thonet-Katalog abgebildet. Unter der Modellbezeichnung „S 40“ sind sie seit der Jahrtausendwende wieder im Programm. Die Holzleisten bestehen aus massivem Iroko, einem afrikanischen Holz mit hoher Dichte und Wetterbeständigkeit (FSC-Siegel). In seiner Optik ähnelt es Teak, es hat eine glatte, gleichmäßige Oberfläche. Zum Schutz werden die Holzteile geölt; das Gestell ist aus wetterfestem Edelstahl.

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