Die Geschichte hinter dem „Barcelona Chair“

Als eine Art schlichter Thron gilt der „Barcelona Chair“, den Ludwig Mies van der Rohe für den Deutschen Pavillon zur Weltausstellung 1929 in Barcelona entwarf. Der Sessel mit den Scherenbeinen hat sich zu dem Sitzmöbel schicker Hotellobbys und stylischer Büro-Empfangsräume etabliert.

Barcelona Chair (© Knoll International)

Dass der „Barcelona Chair“ von Ludwig Mies van der Rohe (1886 – 1969) so edel und elegant wirkt, hat seinen Grund: König Alfonso XIII. und seine Frau Victoria sollten während der Eröffnungsfeier des Deutschen Pavillons auf der Weltausstellung 1929 in Barcelona auf den Sesseln Platz nehmen. Ob sich das spanische Königspaar tatsächlich gesetzt hat, ist nicht überliefert, aber zumindest war es damals wichtig, ihnen für diesen Anlass elegante Sitzmöbel zur Verfügung zu stellen.

Mies van der Rohe konzipierte seinen „Barcelona Chair“ in Anlehnung an repräsentative Scherenstühle, wie sie schon in der Antike und im Mittelalter üblich waren. Eine weitere Inspirationsquelle war der gusseiserne Gartenstuhl, den der preußische Architekt Karl Friedrich Schinkel 1825 konzipiert hatte. Hier fand Mies van der Rohe die Idee dafür, die Schere an die Seiten zu setzen und dadurch sowohl Stabilität, als auch eine frei schwebende Sitzfläche zu erlangen. Und so verleihen die x-förmigen, dezent geschwungenen Beine dem „Barcelona Chair“ seinen mehr oder weniger schwebenden Charakter. Edel – und eben auch repräsentativ – wirken die Sitzfläche und Rückenlehne, beide sind sehr breit und dick gepolstert. Dabei werden für jedes Kissen 40 Einzelstücke aus einer Lederhaut geschnitten, die dann von Hand vernäht und mit Keder und Knöpfen versehen werden. Sie ruhen auf Ledergurten, neun tragen die Sitzfläche, acht die Rückenlehne.

Die ersten Modelle des Sessels fertigten die Berliner Metallgewerbe Josef Müller und die Bamberg Metallwerkstätten, zwischen 1932 und 1934 wurde der „Barcelona Chair“ bei Thonet produziert. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es verschiedene Werkstätten in Chicago und New York, die Ludwig Mies van der Rohes Möbel herstellten – der Architekt und Designer war 1938 in die USA übergesiedelt. Schließlich wurden Florence und Hans Knoll auf die Sessel aufmerksam und sicherten ihrer Firma Knoll International 1948 die exklusiven Fertigungsrechte. Seit 1964 wird das Gestell aus verchromtem Edelstahl gefertigt, das von Hand hochglanzpoliert wird. Für die Kissen stehen unterschiedliche Leder und Farben zur Wahl.

2014 hat Knoll International den traditionellen Warte- und Loungebereich-Sessel mit einer Mehrschicht-Polsterung explizit für die Benutzung im Wohnbereich angepasst. Der „Barcelona Chair Relax“ hat zwar die gleichen Proportionen wie das Original, aber dank einer weicheren Polsterung sitzt man einfach entspannter auf der Designikone, einem der bekanntesten Möbelentwürfe der Moderne.