Die Geschichte hinter dem „Adjustable Table E.1027“

Die Schwester von Eileen Gray liebte es, im Bett zu frühstücken. Für sie entwarf die irische Designerin den berühmten Beistelltisch E 1027, den man mit einem Handgriff in der Höhe verstellen kann. Den Entwurf von 1927 gibt es seit 1975 in Serie.

Adjustable Table - Hersteller ClassiCon authorised by The World Licence Holder Aram Designs Ltd. (© Elias Hasso)

Dass sich Eileen Gray einmal mit den Materialien der Moderne – Stahl und Glas – befassen würde, war nicht absehbar. Die irische Designerin war in Paris mit Interieurs im Art-déco-Stil und gediegenen Möbeln zu einem Synonym für Opulenz geworden. Die Lackarbeiten des Japaners Seizo Sugawara hatten es ihr besonders angetan und so begann sie, diese asiatische Technik auf elegante Möbel und Wandschirme zu übertragen – ihre anspruchsvolle Kundschaft war begeistert. Doch Eileen Gray vertrug die Lackharze nicht und sattelte um: Über den rumänischen Architekten und Verleger Jean Badovici, dem sie 1920 begegnete und mit dem sie in der Folge rund zehn Jahre liiert war, lernte sie unter anderem Gerrit Rietveld und Le Corbusier kennen, die als die Protagonisten der Moderne gelten. Neue Materialien fanden fortan Verwendung in Grays Werk.


Ab 1925 realisierte die damals 47-Jährige ihr erstes Architekturprojekt auf einem felsigen Grundstück an der französischen Riviera. Das E.1027 genannte Haus ist ein Meisterwerk im Hinblick auf Raum- und Nutzungsplanung sowie auf die Bedeutung von Möbeln als integralem Bestandteil von Architektur. Das ungewöhnliche Kürzel steht für die Initialen des Paares: E für Eileen, 10 für Jean, 2 für Baldovici und 7 für Gray (nach der Position der Buchstaben im Alphabet). Alles in diesem progressiven Gebäude war auf die Bedürfnisse der Bewohner und ihrer Gäste zugeschnitten – so auch der heute „Adjustable Table E.1027“ genannte Beistelltisch, den Eileen Gray für ihre Schwester entwarf, die am liebsten im Bett frühstückte. Der Tisch, der puristischer kaum sein könnte, hat einen geöffneten Fußring, so dass er sich nicht nur unter ein Bett schieben lässt, sondern auch um den Fuß eines anderen Möbelstücks. Die runde Tischplatte ist in der Höhe verstellbar, denn der obere Ring ist durch eine Teleskopdoppelstange mit dem Fuß verbunden. Dabei sorgt ein kleiner Stift an einem Kettchen für die Arretierung auf der gewünschten Höhe. Dank der Querstange, die als eine Art Tragegriff dient, lässt sich der Tisch leicht umstellen, zum Beispiel als Ablage an einem Sessel.


Als die Beziehung von Gray und Baldovici zerbrach, baute sich die Designerin nicht weit von Roquebrune-Cap-Martin ein neues Haus in Castellar, das allerdings im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Gray zog sich nach Paris zurück und verschwand aus der Öffentlichkeit. Erst Ende der Sechzigerjahre wurden Sammler und Ausstellungsmacher auf ihre Objekte und die erste Designerin der Moderne aufmerksam. Zeev Aram, Möbel- und Interior-Designer mit Wohnsitz in London, kontaktierte die damals 93-Jährige in Paris und überzeugte sie, ihm die Rechte für die Herstellung des Beistelltisches zu überschreiben. Die ersten Prototypen sollte sie noch sehen, bevor sie 1976 verstarb. Zeev Aram, der den „Adjustable Table E.1027“ ab 1975 produzierte, übergab die Herstellungsrechte 1983 an die Münchner Werkstätten, aus deren Konkursmasse 1990 die Firma ClassiCon hervorging, die den Beistelltisch bis heute produziert.
Den Tisch aus pulverbeschichtetem Stahlrohr, der in den 91 Jahren seit seinem Entwurf nichts von seiner Modernität, Aktualität und Funktionalität eingebüßt hat, gibt es in schwarz oder verchromt. Die Tischplatte mit einem Durchmesser von 51 Zentimetern ist wahlweise in Kristall- oder Parsolglas sowie in grauem oder schwarzem Metall erhältlich.

ClassiCon im Shop