Der Konstrukteur: Jean Prouvé

Jean Prouvé (1901 – 1984) gilt als einer der ganz großen Designer und Architekten des 20. Jahrhunderts, ohne je eins der Fächer studiert zu haben. Die Möbel des Franzosen werden seit 20 Jahren von Vitra reeditiert.

Stühle Standard, Wandleuchte Potence, Sessel Cité (© Vitra)

Der schweizerisch-französische Architekt Le Corbusier sagte über seinen Kollegen: „In Jean Prouvé vereinigen sich Architekt und Ingenieur, richtiger noch, Architekt und Baumeister, denn alles, was er anfasst und gestaltet, bekommt sofort eine elegante und plastische Form, mit glänzend verwirklichten Lösungen in Bezug auf Haltbarkeit und industrielle Fertigung.“
Tatsächlich umfasst das einzigartige Werk des kreativen Franzosen vom Brieföffner über Tür- und Fensterbeschläge, Leuchten und Möbel bis hin zu Fertighäusern und modularen Bausystemen fast alles, was sich konstruieren und industriell fertigen lässt. Der gelernte Kunstschmied erlebte seinen Durchbruch 1927, als er im Auftrag von Robert Mallet-Stevens ein viel beachtetes Eingangsportal für die Pariser Stadtvilla Reifenberg fertigte. Von da an verkehrte er in den Kreisen um Le Corbusier und setzte sich für die Verbindung von Kunst und industrieller Produktion ein, um ebenso gut gestaltete wie qualitativ hochwertige Möbel und Häuser für möglichst viele Menschen erschwinglich zu machen

Die Möbel von Jean Prouvé entstanden zum größten Teil für Schulen, Büros, Bahnhöfe, Universitäten und Studentenwohnheime, es ging ihm um die perfekte Verbindung von Funktionalität und Ästhetik. Seit 2000 gibt Vitra verschiedene Reeditionen heraus. Dazu gehören der verstellbare Sessel „D80“ („Fauteuil de Grand Repos“) von 1930 sowie der Sessel „Cité“, ebenfalls von 1930, der Stuhl „Standard“ von 1934/1950 sowie der Tisch „Solvay“ von 1941 und der dazugehörige Hocker, der Sessel „Fauteuil Direction“ von 1951 und der Hocker „Tabouret Haut“ von 1942.

Auch wenn Metall für der gelernten Kunstschmied das Material der Wahl war, kombinierte er es gerne mit Holz. Für ihn als Handwerker war es wichtig, über den Bau eines Prototyps zur endgültigen Form und schließlich zur Serienproduktion zu gelangen. Bis heute gilt das Schaffen von Jean Prouvé als sehr einflussreich, Architekten und Designer wie Renzo Piano, Jean Nouvel und Norman Foster nennen ihn als ihr Vorbild.