100 Jahre Gärtner – erzählt in Leuchten, Sofas und Tischen

In diesem Jahr feiern wir ein besonderes Jubiläum: 1920 gründete Alwin Gärtner sein Schreibwarengeschäft. In den Sechzigerjahren erfolgte der Sortimentswechsel hin zu Büromöbeln und heute haben wir eine umfangreiche Kollektion rund um das Thema Einrichten. Mit einigen der bekanntesten Klassiker lassen wir die letzten 100 Jahre Revue passieren.

Auf den Tag genau lässt sich das Datum bestimmen, an dem Wilhelm Wagenfeld mit der Arbeit an der „WG 24“ begann: Am 23. April 1924 legte er seine Gesellenprüfung als Silberschmied ab und tags darauf beauftragte ihn László Moholy-Nagy, Meister der Metallwerkstatt in Weimar, mit dem Design einer Tischleuchte. Die „Bauhaus Leuchte“ wird heute nach Originalangaben in den Maßen und Materialien von Tecnolumen gefertigt.

Für ihr Haus in Roquebrune an der Riviera kreierte Eileen Gray 1927 den höhenverstellbaren „E 1027 Adjustable Table“. Er sollte ihrer Schwester das Lesen und Essen im Bett erleichtern. Die Versionen in blankem Stahl und in Schwarz gibt es bei ClassiCon.

Zeit ihres Lebens stritten sich Marcel Breuer und Mart Stam um die Urheberschaft des Typus „Freischwinger“. Der „S 32“ aber ist eindeutig ein Entwurf Breuers; er wurde 1930 erstmalig in einem Stahlrohrmöbelkatalog von Thonet gezeigt, aber bereits zwei Jahre zuvor designt. Originell ist der Kontrast zwischen kühlen und warmen Materialien: Stahl und mit Wiener Geflecht bespannte Holzrahmen.

Die Form des „Paimio Chair“ basiert auf Alvar Aaltos Idee, dass die Kranken im Tuberkulose-Sanatorium in Paimio so sitzen sollten, dass sie möglichst tief einatmen können. Auf dem Sitz aus gebogenem Schichtholz war es möglich, mit dem Po weit nach vorne zu rutschen und den Kopf auf dem geschwungenen oberen Ende der Sitz-/Rückenfläche abzulegen. Wenn der heute als Clubsessel interpretierte, von Artek produzierte „Armchair 41“ also nicht unbedingt ein richtig gemütliches Möbel ist, so erklärt sich sein einzigartiges Design aus seinem ursprünglichen Zweck im Jahr 1931.

Jean Prouvé wollte qualitativ hochwertige Möbel vertreiben, die für jedermann erschwinglich sein sollten. Den Stuhl „Standard“ konzipierte er 1934 – neben anderen Möbeln – für ein Studentenwohnheim. Die Reedition gibt’s bei Vitra.

Antonio Bonet, Juan Kurchan und Jorge Ferrari-Hardoy überraschten Ende der Dreißigerjahre mit einem skulptural wirkenden Sitzmöbel: Die drei argentinischen Architekten entwarfen für ein Gebäude in Buenos Aires einen Sessel aus schwungvoll gebogenem Stahlrohr. Über die vier Eckpunkte des Gestells spannten sie einen Bezug aus Leder – simpel und clever zugleich. Den „Butterfly Chair“ gibt es heute mit verschiedenen Bezügen und Gestellen, produziert von Manufakturplus.

Charakteristisch für die „Gräshoppa“-Leuchte aus dem Jahr 1947 sind die drei schrägen Beine aus Stahl und der schlanke, leicht tütenförmige Schirm aus Aluminium. Am besten steht die Leseleuchte frei im Raum, dann kommt ihr Charakter am besten zur Geltung. „Gräshoppa“ gibt es in fünf zeitlosen Farben von Gubi.

Typisch für die „String“-Regale sind Wandleitern in verschiedenen Größen und Tiefen, in die sich Regalböden einlegen lassen (heute auch Schubladen- und Schrankmodule). Das ganze System von 1949 ist auf Flexibilität ausgerichtet, es lässt sich immer wieder elegant erweitern.

Charakteristisch für den „Wishbone Chair“ ist das Y in der Rückenlehne; er ist der wohl bekannteste Stuhl Hans J. Wegners. Dass aber Einfachheit nicht immer simpel ist, beweist folgende Tatsache: Zur Herstellung sind rund 100 einzelne Arbeitsschritte erforderlich, allein die Sitzfläche besteht aus 120 Metern handgeflochtener Papierkordel. Der Stuhl wird seit 1950 ununterbrochen von Carl Hansen produziert.

Ein Kreuzgestell mit überstehenden Holzplatte – das ist der betont schlichte Universaltisch von Egon Eiermann, den man zum Arbeiten ebenso nutzen kann wie zum Zeichnen oder Essen. Der Architekt hatte das Gestell ursprünglich nicht als Serienmöbel, sondern für sich selbst entworfen. Deshalb war das Gestell 1953 fest verschweißt, heute wird es von Richard Lampert auch komplett zerlegbar angeboten.

Als Arne Jacobsen in den Fünfzigerjahren in Kopenhagen ein Hotel plante, designte er die Möbel gleich mit. Für die Lobby- und Empfangsbereiche des „Royal Hotels“ kreierte er 1958 unter anderem „The Egg“. Der Sessel bildet einen organischen Gegensatz zu den vielen geraden Linien des Gebäudes; die Ei-Form garantiert darüber hinaus Intimität im ansonsten öffentlichen Raum. Fritz Hansen bietet passend zu dem Sessel auch einen Fußhocker an.

Es lebe das Baukastenprinzip: Die einzelnen Elemente von „Conseta“ wie Hocker, Sessel oder Eckteil lassen sich zu Zwei-, Drei- oder Mehrsitzern verbinden. Sie wirken trotzdem leicht, denn dank zierlicher Metallkufen scheinen die Sofas zu schweben. COR hat den Klassiker seit seiner Premiere auf der Kölner Möbelmesse 1964 im Programm.

60 polierte Rundstahlstangen bilden zusammen mit einer Glasplatte den „Platner Table“. Der Tisch von Knoll International wirkt opulent und elegant, er entsprach eigentlich so gar nicht dem Zeitgeist und der Aufbruchsstimmung der Sechzigerjahre. Warren Plattner selbst sagte einmal rückblickend: „Man hofft ja jedes Mal, einen Klassiker zu schaffen. Denn einen Klassiker kann man immer wieder anschauen, und man findet nichts an ihm, das man verbessern müsste.“

Popdesign in Reinkultur waren die schrägen Objekte, die Gufram Anfang der Siebzigerjahre auf den Markt brachte. Dazu zählte das Sofa „Bocca“ (= Mund), das durch Salvador Dalì und Mae West inspiriert wurde: Der spanische Künstler war fasziniert von den Lippen der Hollywood-Diva, er zeichnete sie und ließ ein Lippensofa produzieren ¬¬– die Anregung für Studio 65, einen zeitgemäßen Coup zu landen.

Wie ein zusammengestellter Haufen überdimensionaler Mikado- oder Essstäbchen wirkt der Kleiderständer „Sciangai“, der 1973 von den kreativen Mailändern De Pas/D’Urbino/Lomazzi für Zanotta entworfen wurde. Das Trio erlangte große Popularität dank seines aufblasbaren Sessels „Blow“ sowie „Joe“, ein Sessel in der Form eines Handschuhs, den die drei als Hommage an den amerikanischen Baseballspieler Joe DiMaggio verstanden.

Die perfekte Verbindung von Design und Funktionalität demonstriert die Thermoskanne von Stelton, die Erik Magnussen 1977 entwarf. Innovativ war vor allem der neuartige Kippverschluss, der das Gießen möglich macht, ohne dass der Nutzer zuvor den Deckel öffnen muss. Stelton bietet die Kanne heute nicht nur in Edelstahl an, sondern auch in vielen bunten Trendfarben.

Bunt, mit Kopfstützen wie Micky-Maus-Ohren und leicht vom Sessel in eine Liege zu verwandeln, das ist „Wink“ von Toshiyuki Kita aus dem Jahr 1980. Der japanische Designer wollte mit seinem modernen Sitzmöbel für Cassina bewusst mit überlieferten Formen brechen und die Fantasie anregen.

1986 konzipierte Japser Morrison den „Thinking Man’s Chair“ für eine Messe in Japan. Cappellini, der Möbelhersteller mit einem Gespür für Trends und spektakuläre Inszenierungen, entdeckte den Ruhesessel, der nicht durch softe Polster, sondern durch harten Stahl zum Nachdenken animieren will. Das für die Nutzung im Freien geeignete Sitzmöbel ist eine Verkörperung von Morrisons Credo, dass man Objekte intuitiv verstehen und Design archetypische Formen hervorbringen soll.

Sie fehlt auf keinem Schreibtisch designaffiner Zeitgenossen: die „Tolomeo“, die 1986 von Michele de Lucchi und Giancarlo Fassina „erfunden“ wurde. Für die Leuchte, die von Artemide produziert wird, ließen sie sich in Süditalien inspirieren: „Der Mechanismus entstand bei der Beobachtung von Anglern mit ihren Trabucchi, den uralten Fischergalgen, die in Apulien verbreitet sind und bei denen die Stangen, an denen das Netz befestigt ist, von Seilen gehalten werden“, erinnert sich Michele de Lucchi. „Es schien mir intelligent, dass man mit einem Hebelarm und einem Kabel eine Stange aufhängen kann, an der etwas befestigt wird. Das war mein Bezugsrahmen, als ich die Tolomeo entwarf.“

Der Massivholztisch „Bigfoot“ sorgte 1994 dafür, dass sich das Image von Massivholz radikal änderte und es wieder gefragt war. e15 fertigt das ikonische Modell aus dem Kernholz eines Baumes, Risse und andere „Macken“ machen jeden Tisch zu einem Unikat.

31 bedruckte und 49 unbedruckte DIN A5-Blätter bilden den „Lampenschirm“ der Leuchte „Zettelz“, die Ingo Maurer 1997 lancierte. Dabei ist der Besitzer gefragt: Sowohl die Stäbe als auch die Blätter müssen gesteckt werden – ein kreatives Geduldsspiel.

Oskar Zieta experimentierte während seines Studiums mit Stahlblechen und entwickelte eine Technik, die es erlaubt, zusammengeschweißte Bleche unter Innendruck mit Luft aufzublasen. Sein Hocker aus dem Jahr 2005 wirkt wie ein Luftballon, steht aber stabil auf drei Beinen.

Die Brüder Ronan und Erwan Bouroullec haben mit ihrem Sofa „Alcove Highback“ einen Möbeltypus geschaffen, der aus keinem Großraumbüro mehr wegzudenken ist. Wie in einem gemütlichen Rückzugsort sitzt man komfortabel in den hochgezogenen Sitz- und Rückenpolstern. Vitra hat verschiedene Typen der „Alcove“-Familie seit 2006 im Programm.

Dieser Stuhl ist so genial wie simpel: Der „Pressed Chair“ wird aus einem einzigen Stück Aluminium gebogen. Es ist die Verformung, die dem Blech seine Stabilität gibt. Der stapelbare Entwurf von Harry Thaler eignet sich für drinnen und draußen, er wird seit 2011 von Nils Holger Moormann produziert.

Wohnliche Outdoor-Möbel erobern den Garten und die Terrasse: 2019 präsentierte B&B Italia die Kollektion „Ribes“ von Antonio Citterio. Dazu gehören Sofas, Mittel- und Endelemente sowie Chaise Longues und Hocker. Die Polster sind weich und erinnern mit ihrem Streifen an alte Matratzenbezüge.

Zentrales Merkmal von „Ayno“ ist ein Fiberglasstab, dessen Eigenspannung es möglich macht, eine Leuchte ohne Gelenke zu konstruieren. Durch das Verschieben zweier Verstellringe können die Kabel den Stab in die gewünschte Position biegen und das Licht in die gewünschte Richtung lenken. Der 2020er-Entwurf von Stefan Diez für Midgard ist der Ausdruck einer neuen Form von lenkbarem Licht.