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Im Gespräch: HG Esch

Der Fotograf gilt als absoluter Spezialist in Sachen Architekturaufnahmen. HG Esch geht es darum, in seinen Bildern Architektur verständlich zu machen, sie zu dokumentieren und natürlich um gute Bilder.

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Vom 6. bis 21. November zeigen wir im Rahmen unserer Ausstellung "Die Schönheit der Ordnung" die großformatigen Fotografien von HG Esch.

Uta Abendroth: Sie haben eine klassische Fotografenausbildung absolviert, wahrscheinlich mit Portraits etc. Was hat Sie dann zu dem Thema Architektur geführt und Sie zu einem solchen Spezialisten werden lassen?
HG Esch: Ich habe schon sehr früh angefangen, Architektur zu fotografieren: Schon als Schüler habe ich Burgen und Schlösser fotografiert und meine Faszination für Bauwerke ist bis heute geblieben. Nach meiner Ausbildung habe ich kurz einem Modefotografen in Düsseldorf assistiert. Mir wurde schnell klar, dass diese Welt nicht die meine ist. Ich habe mich dann wieder auf Architektur konzentriert und das mache ich bis heute immer noch – leidenschaftlich und gerne. Ich mag es sehr, mich in meinen Fotos einer Architektur zu nähern und sie durch meine Fotos zu verstehen. Dies ist immer wieder spannend, weil ich mich auf jede Architektur neu einlassen muss und jedes Bauwerk hat einen eigenen Charakter, den es zu entdecken und zu dokumentieren gilt. Und über die Jahre bin ich dann wohl zu so etwas wie einem Spezialisten geworden.

UA: In Ihren Bildern erscheinen Bauten mal extrem ästhetisch, manchmal, in ihrer gigantischen Monstrosität, aber auch fast beängstigend. Wie wirkt das auf Sie selbst?
HGE: Es geht mir immer darum, Architektur in meinen Bildern verständlich zu machen. Ich denke da nicht in Kategorien oder werte das zu fotografierende Motiv. Ich dokumentiere, was sich mir als Architektur vor der Kamera zeigt. In der Auftragsfotografie versuche ich, den Kern eines Gebäudes herauszuarbeiten. Diese Fotos mögen dann ästhetischer erscheinen – weil es sich ja auch meist um hochwertige Bauwerke internationaler arbeitender Architekten handelt – als Aufnahme aus freien Serien, in denen ich z.B. Chinas unbekannte Millionenstädte zeige. Das liegt in der Natur der Sache. Ich sehe mich aber in beiden Anforderungen eher als Dokumentarist und objektiven Beobachter. Dass die Fotos unterschiedliche Wirkungen auf den Betrachter haben, finde ich dabei gut, aber das ist von mir nicht willentlich so angelegt.

UA: Was hat für Sie den größeren Reiz: nah an das Objekt rangehen oder eher die Perspektive von weit weg bzw. von oben wählen?
HGE: Da habe ich keine speziellen Vorlieben. Ich versuche Architektur in meine Bilder zu übersetzen, dass heißt unterschiedliche Sichtweisen auf die Architektur zuzulassen. Dazu gehören architektonische Strukturen, die ich nah an der Architektur entdecke genauso wie Gesamtansichten, die ein Objekt in der Größe verständlich machen und städtebauliche Zusammenhänge zeigen. Letztendlich geht es aber immer um ein gutes Bild, egal aus welcher Perspektive es entstanden ist.

UA: Welche Rolle spielt das Licht für und bei Ihrer Arbeit?
HGE: Licht ist ein ganz wichtiges Gestaltungsinstrument für mich. Meist muss ich mit der von der Natur gegebenen Lichtquelle, der Sonne, auskommen. Ich fotografiere dann im Zusammenspiel von Perspektive, Standpunkt und Lichtsituation. Die sogenannte Blaue Stunde, kurz nach Sonnenuntergang bzw. vor Sonnenaufgang, bevorzuge ich dabei. Die Kontraste sind noch nicht so stark und das fahle Licht hüllt Motive in einen Moment der Entrücktheit. In dieser Stimmung sind Fotos möglich, die eher an Malerei erinnern.

UA: Arbeiten Sie nur mit natürlichem Licht oder auch mit künstlichen Lichtquellen?
HGE: Meist ist es, wie gesagt, die Sonne, die meine Motive beleuchtet. Bei Innenaufnahmen oder der Möbelfotografie setze ich natürlich selbst Licht, um die Formensprache und Charakteristik von Interieurs oder Möbeln herauszuarbeiten.

UA: Ihr Œuvre lässt vermuten, dass Sie relativ viel reisen. Gibt es da manchmal Ermüdungserscheinungen oder verspüren Sie einen inneren Drang, immer neue Projekte mit Ihrer Kamera einfangen zu wollen?
HGE: Oh nein, keinesfalls! Es war schon immer ein Traum von mir, viel zu reisen und ich bin glücklich darüber, dass ich dies in meinem Job verwirklichen kann. Ich bin von Natur aus neugierig und freue mich immer wieder, auf Reisen zu gehen, um zu fotografieren.

UA: Ihre Fotografie ist Kunst. Sehen Sie Ihre Bilder eher in Galerien oder auch über dem Sofa in einem privaten Wohnzimmer?

HGE: Ich freue mich, wenn Menschen meine Bilder gefallen, egal, ob sie nun im privaten Bereich hängen oder in Galerien und Museen präsentiert werden. Wichtig ist mir, dass sie gesehen werden, weil die Bilder viel von der uns umgebenden Wirklichkeit erzählen.

UA: Hängen bei Ihnen zu Hause Bilder von Ihnen? Wenn ja, welche und wie wählen Sie die aus?

HGE: Es hängen Bilder bei uns zu Hause, sie wechseln aber immer. Zusammen mit meiner Frau wähle ich die Bilder aus. Meist sind es die Bilder aus den neuesten Arbeiten, bis sie von einer nächsten Serie abgelöst werden. Ich umgebe mich gerne mit meinen Fotografien, weil sie natürlich auch immer auf den Entstehungsprozess verweisen, an den ich gerne erinnert werde.


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